Hallo,
Nach der Diskussion wegen Einstellung des Fernverkehrs heute im Norden wollte ich mal all jenen,die Meldung nicht verstehen konnten und sie verurteilten einen Einblick von so einer Schicht im Eisenbahnbetrieb bei unwirklichen Zuständen geben.Aus meiner Sicht und den Meldungen heute Abend im Fernsehen über geschlossenen Häfen und Zufahrten,entgleisten Strassenbahnen usw,war diese Entscheidung richtig,auch wenn einige Passagiere nicht mehr ans Ziel kamen.
Fangen wir also an:Ich hatte den ersten Regionalexpress nach Aufrüsten,vorheizen und bereitstellen(E110+4 Wagen+Steuerwagen Wittenberger Kopf) von Rottweil nach Stuttgart zu fahren.Standzeit in Stuttgart Hbf am Prellbock,und nach 40 Minuten,Steuerwagen vorraus wieder nach Singen/Htw.Dort Standzeit und ieder zurück nach Rottweil.
Eine schöne Tour,auch wenns Weihnachten war,deshalb hab ich zu meiner Frau gesagt,brauche kein Vesper,da ich ja in Stuttgart einen Kaffee und ein Belegtes bekomme.Und zum Mittagessen bin ich ja wieder daheim.
Dienstbeginn war so um halb 6 und Feierabend um 13 Uhr.
Ich fuhr den Zug nach Stuttgart,aber statt Standzeit am Prellbock musste ich den Zug inden Abstellbahnhof fahren,dort abstellen und die Lok ins BW.Da Stuttgart an diesem Tag alle Reservisten auf Achse hatte,musste ich eine neue Lok aufrüsten,an eine neue Wendezuggarnitur fahren,Bremsprobe und dann in den Hauptbahnhof.Am Bahnsteig angekommen,sollte ich schon 20 Minuten auf der Gäubahn nach Singen sein.
In Singen/Htw kam ich natürlich mit Verspätung an,musste die Wendezugeinheit mit Lok,wieder wegstellen(diesmal mit Rangierer) und eine neue holen.Lok aufrüsten,Bremsprobe und an den Bahnsteig fahren.Der Eilzug von Konstanz nach Offenburg war schon vor mir auf der Strecke und mein Ausfahrsignal wurde kurz nach dem Anhalten grün.Ich zg die Handbremse an und ging auf dem Bahnsteig Richtung Rangieraufenthaltsraum zum Kaffeeautomat und holte mir einen Becher Kaffee.
Das paste wohl dem Fahrsdiennstleiter nicht,den er plärrte über den Lautsprecher:Lokführer,grüner wirds nicht mehr.Ich gab Ihm an der Sprechsäule zu verstehen,dass ich den Zug fahre und nicht Er.
Fuhr also wieder mit Verspätung los und kam genau 3 Kilometer weit auf die Strecke als der Hauptschalter auslöste und die Fahrdrahtspannung weg war.Der Fahrdienstleiter(jetzt die Ablösung)meinte über Funk,dass das Unterwerk herausgeflogen sei und er nicht wüsste,wanns weitergeht.Nach etwa 40 Minuten(es hatte draussen Frost im einstelligen Bereich) kam die Spannung wieder.Weiterfahrt etwa 5-6 Kilometer bis kurz vor Welschingen,dann war die Spannung wieder weg.Über Funk erfuhr ich,dass ganz Baden Württemberg Stromlos ist,eine Funk V60 irgend wann die hinter mir im Block liegenden Triebwageneinheit der Mittelthurgaubahn,vor sich herschiebt und dann bei mir andockt und beide Zuggarnituren nach Engen versucht zu schieben.Inzwischen war wieder über eine Stunde vergangen.Ich hatte ca 70 Personen im Zug,die natürlich froren.Als wir dann mit Ach und Krach mit schleudender V60 die beiden Einheiten nach Engen Gleis 1, brachten,stand dort immer noch der Eilzug nach Offenburg auf Gleis 2.
Die Oberleitung der zweigleisigen Strecke von Engen nach Immendingen lag durch umgefallene Bäume am Boden.Zu allem Unglück hatte die Bahnhofswirtschaft in Engen Ruhetag,also nichts mit Essen.Die Reisenden Richtung Stuttgart verfrachteten wir in einen Ersatzbus nach etlicher Zeit,dem ich die Route nach Stuttgart und die Unterwegshalte zuerst aufschreiben musste.Eine Mutter mit Baby versorgten wir noch mit warmen Wasser für das Babyfläschchen und ein Teil der Reisenden fuhr mit der Triebwageneinheit der Mittelthurgaubahn,gezogen von der V60 wieder zurück nach Singen.Einer älteren Frau,die nach Tübingen in die Uniklinik wollte,weil Ihr Mann auf der Intensivstation lag,versorgte ich mit einem Gutschein für eine Fahrt in den nächsten Tagen und schickte Sie wieder zurück nach Singen.
Der Fahrdienstleiter von Engen unterrichtete mich,dass der Lokführer vom Offenburger Zug zu Hause angerufen hatte,seine Frau erklärte,dass ein Stück vom Dach weg sei.Er hat dann die Zugleitung informiert,dass bei seiner Lok die Batteriespannung zusammngebrochen sei und ist dann verschwunden.Wie er weggekommen ist,war ein Rätsel,denn Taxi gabs in Engen keines.Der Sturm war so stark,dass kurz vor Donaueschingen der Dieseleilzug Neustadt-Ulm mit 218 im Wald durch Bäume entgleist war.Die Bundeswehr evakuierte mit Panzer.


Ich stellte dann so gegen 18 Uhr,als der Strom wieder da war,die beiden Züge zusammen und fuhr nach Singen,in der Hoffnung endlich den Kebabstand aufsuchen zu können.
In Singen stand der Ablöser schon bereit und ich musste ins Taxi einsteigen,welches in Rottweil das zwei Singener Zugbegleiter heimholen sollte.In Rottweil angekommen(Zähler des Taxis 158DM) stieg ich inmein Auto und fuhr heim.kurzes Vesper,da auch hier der Strom bis 17 Uhr weg war und meine Frau kein Mittagessen kochen konnte und Angst hatte,dass das Dach wegflog.Zum Glück nur ein Dachziegel.Ich ging dann zu meinen Kameraden der Feuerwehr und half bis in die Mogenstunden beim aufräumen.
Seitdem bin ich nie mehr ohne Vesper und Trinken zur Schicht oder auf Reisen gegangen.
Ich hoffe,dass jetzt ein bisschen mehr Verständnis aufkommt,wenn solche Einstellungen getroffen werden.
Vorsicht ist besser als Nachsicht.