Hallo Spur 1 Freunde
Nachdem nun hier schon länger nichts über Modellbau geschrieben und gezeigt wurde, will ich mich mal wieder zu Wort melden.
Wie Ihr zuvor erfahren habt, liegt der Bahnhof Alfeld / Leine gedachtermaßen dicht an der innerdeutschen Grenze. Der Umgang beider deutscher Staaten miteinander war niemals unproblematisch und somit war auch der Bahnverkehr immer schwierigen Bedingungen unterworfen.
Für jeden Grenzübergang war festgelegt, welche Bahnverwaltung, DB oder DR, die Grenze passieren durfte. Gefahren wurde dann nur bis zum nächsten hinter der Grenze liegenden geeigneten Bahnhof, in dem der Zug übergeben wurde und der Lokwechsel stattfand. Auf meiner Anlage fahren die DR Loks bis in den Westdeutschen Bahnhof Alfeld.
So kommt es immer wieder zu Begegnungen der Lokpersonale während der Wartezeiten im BW.

Ein P 8 Rad am Eingang zum BW Alfeld

Der Zugverkehr läuft Tag und Nacht und ist von daher nur bedingt vollständig kontrollierbar.

Die Loks sind grundsätzlich mit 2 Personen besetzt, was bei den Dampfloks verständlich ist.

Schnellzugdampflok 01.5 der DR im Schuppen

Aber auch Güterzuddampfloks, wie diese 52.80 der DR, sind im BW Alfeld anzutreffen.


Aber auch die in letzter Zeit immer häufiger auftauchenden Dieselloks der DR sind mit 2 Personalen besetzt, sodaß man sich gegenseitig kontrollieren kann

Ausfahrt eines Interzonenzuges aus dem Bahnhof Alfeld, gezogen von einer DR 118 aus Babelsberg.


Die Begegnungen der Personale ließen sich jedoch nicht vermeiden und so kam es auch vor, daß im BW Alfeld zur Aufbesserung der Devisenkasse „ Orginal Thüringer Rostbratwurst ” vom Grill verkauft wurde.

Auch in Westdeutschland wurden stichprobenartig Reisende und Gepäck kontrolliert, dies geschah jedoch im fahrenden Zug hinter der Grenze. Ganz anders auf der DDR Seite, wo die Kontrolle mehr als 30 Minuten in Anspruch nahm und der Zug von Diensthunden und mit Maschinenpistolen bewaffneten Grenzsoldaten umlagert wurde.
Ansonsten wurde auf westdeutscher Seite deutlich darauf hingewiesen, daß „ Drüben ” auch Deutschland ist und man beharrte auf die jeweilige Nichtanerkennung des anderen deutschen Staates.

Die Grenze war hermetisch abgeriegelt und gesichert und von daher so gut wie unüberwindlich. Jeder Grenzübertritt erzeugte ein äußerst unbehagliches Gefühl.


Man traut dem jeweiligen Nachbarn nicht und so ist auch die Bundeswehr zum Abhorchen des Funkverkehrs auf DDR Seite in Alfeld präsent. Ein MAN einer Fernmeldekompanie hat am Güterbahnhof Stellung bezogen.


Wie man deutlich sieht, war das Verhältnis beider deutscher Staaten bei weitem nicht normal.

Der Postverkehr funktionierte jedoch immer relativ reibungslos, sodaß viele nützliche und benötigte Waren die Grenze passierten.


Auch der kommerzielle Handel lief, wenn auch meistens recht einseitig von Ost nach West, die DDR brauchte halt Devisen. So kamen mit dem W 50 Möbel aus Eisenberg in den Westen und wurden häufig über große Versandhäuser, wie Quelle und Neckermann, vertrieben.
Das Thema der beiden deutschen Bahnverwaltungen bietet einige Möglichkeiten der Darstellung von Szenarien und sie sind nicht aus der Luft gegriffen, viele von uns werden sie so noch kennen und erlebt haben.
Soweit für Heute
Euch noch ein schönes Wochenende
Helmut