Autonomes Fahren PKW: Wer fährt dann noch Zug?

  • Das Problem ist einfach die immer noch recht lückenhafte Lade-Infrastruktur, nicht die E-Fahrzeuge als solche.

    Ich persönlich warte aber immer noch auf das erste viersitzige E-Cabrio. 😇 Bis dahin genieße ich weiter den Diesel.

    Das Fahren mit der Bahn kann auch sehr schön und günstig sein. Vor einigen Jahren bin ich erster Klasse von Stuttgart nach Bremen für 135,- € inkl. Frühbucherrabatt gefahren. Und kürzlich bin ich zu nem Konzert mit der Bahn von Stuttgart nach Köln und nachts wieder zurück gefahren. Ebenfalls zu guten Konditionen. Nervig war da allerdings, dass ich Sitzplätze in der ersten Klasse reserviert hatte, die dann aber wegen einer kurzfristigen Änderung der Wagenreihenfolge ihre Gültigkeit verloren hatte. Die Reservierungsgebühren habe ich bis heute nicht wiedergesehen. So schafft die Bahn sich über kurz oder lang - zumindest was die Personenbeförderung angeht - selbst ab. Da nehme ich dann doch lieber das Auto.

    Edited once, last by thopeter (August 13, 2025 at 2:11 PM).

  • Es kann nicht schaden, bei der Beschäftigung mit Verkehrs-Modellen über Verkehrsentwicklungen nachzudenken.

    Bei jeder Entwicklung wird das Neue zunächst in den Kategorien des Alten gedacht und gemacht.

    Beispiel Nürnberg-Fürther Ludwigseisenbahn von 1835: Die Personenwagen erinnern an Postkutschen, und die Züge wurden jahrelang vorwiegend von - im Gleis laufenden - Pferden gezogen (die Kohle war zu teuer, weil sie auf Fuhrwerken weit gefahren werden musste). Man schaue sich das Märklin Spur1-Modell an und beachte, dass der Bremser auf einem Kutschbock sitzt: Für zwei Wagen reichte ein Pferd, bei drei Wagen gingen zwei Pferde hintereinander.

    Beispiel Köln-Mindener Eisenbahn: Der Name deutet an, dass die Grundidee zunächst darin bestand, die Export-Frachten auf der Hauptroute Rhein in Köln von Oberländer-Schiffen auf die Bahn umzuladen und nach Minden zu fahren, um sie dann über die Weser in die Nordsee zu führen (Hintergrund waren die saftigen Zölle, die die Niederlande an der Mündung des Rheins kassierten). Als die Bahn dann fuhr, stand längst die Verbindung zwischen der Hauptstadt Preußens und seinen Westprovinzen sowie die Entwicklung des Ruhrkohlenbezirks im Vordergrund.

    Beim Nachdenken über die Zukunft klebt unser Denken an der Selbstverständlichkeit des privaten PKW-Besitzes, obwohl der gerade mal seit gut 60 Jahren verbreitet ist.
    Autonom fahrende Autos könnten aber ein anderes, neues und rationelles Verkehrssystem entstehen lassen:
    Wo kein Nahverkehrsmittel gut erreichbar ist, fährt an der eigenen Haustür ein bestellter ("Taxi-")Selbstfahrer vor und bringt den Fahrgast zum Bahnhof. Die Hauptstrecke wird mit der schnellen Bahn zurückgelegt. Am Zielbahnhof wartet bereits ein mitgebuchtes, autonom fahrendes Bestell-Fahrzeug und fährt zum Ziel.
    Man erhält immer ein - für Personenzahl und Gepäck - passendes Fahrzeug, hat nie Parkplatzsorgen, und billiger und recourcenschonender als der meist herumstehende Privat-PKW ist das auch. Aber es ist natürlich anders als gewohnt ... ;)

    Mal sehen, was wir noch erleben werden.

    Es grüßt
    Karl

  • Zum Thema autonomes Fahren auf der Schiene. Da könnte man sich ja ggf. mal am Miniaturwunderland in Hamburg orientieren. Die schaffen das schon länger. 😇

  • zumindest außerhalb großer Städte, ist allerhand Lade-Infrastruktur vorhanden.

    Die Massen leben aber nun mal in den Ballungsräumen. Hätte jeder ein E-Fahrzeug, würde das Ladesystem komplett zusammenbrechen. Mal ganz davon ab, dass wir dafür gar nicht genügend Energie erzeugen könnten und Rohstoffe wie Litium und Seltene Erden hätten.

    Ich lebe mitten in Stuttgart. Da gibt es zwar verhältnismäßig viele Ladepunkte, aber die reichen aktuell auch nur, weil hier erstens noch sehr viele Verbrenner unterwegs sind und zweitens die Pendler mit Eigenheimen, Photovoltaik und Wallbox ihre Stromer primär zuhause laden. In Tiefgaragen und Parkhäusern ist das Laden dagegen noch eine Seltenheit. Nerviges Nebenereignis: die häufig leeren Parkplätze mit Lademöglichkeit blockieren zunehmend Parkflächen für Verbrenner. Aber gut, das kann ja auch so gewollt sein.

    Edited once, last by thopeter (August 13, 2025 at 2:21 PM).

  • P.S.: Ich bin kein Verfechter der fossilen Energiequellen

    Allein schon die Autobatterie hat beim Einbau ein CO2-Äquivalent von 100000KM! vorzuweisen.

    Die werden fast alle in China mit Kohlekraft produziert und verbrauchen seltene Erden, die u.A. in Afrika und Südamerika

    mit Sklaven- und Kinderarbeit gewonnen werden.

    Herzlichen Glückwunsch!

    Viele Grüße

    Frank

    Edited once, last by TAG 11 (August 13, 2025 at 4:32 PM).

  • Hätte jeder ein E-Fahrzeug, würde das Ladesystem komplett zusammenbrechen.

    Wie soll das gehen? ;) Es gibt ja gar nicht genug Lademöglichkeiten in den Großstädten, um den Bedarf überhaupt zu decken. Von einem potenziellen Zusammenbruch kann nicht die Rede sein.

    Darüber hinaus wäre Energie ausreichend vorhanden, nur unser Stromnetz ist noch nicht flächendeckend für dezentrale Einspeisung umgestellt.

    Gute Nachricht, wir sind aber auf dem besten Wege dazu.

    Gruß
    Djordje

  • Autonom fahrende Autos könnten aber ein anderes, neues und rationelles Verkehrssystem entstehen lassen:
    Wo kein Nahverkehrsmittel gut erreichbar ist, fährt an der eigenen Haustür ein bestellter ("Taxi-")Selbstfahrer vor und bringt den Fahrgast zum Bahnhof. Die Hauptstrecke wird mit der schnellen Bahn zurückgelegt. Am Zielbahnhof wartet bereits ein mitgebuchtes, autonom fahrendes Bestell-Fahrzeug und fährt zum Ziel.
    Man erhält immer ein - für Personenzahl und Gepäck - passendes Fahrzeug, hat nie Parkplatzsorgen, und billiger und recourcenschonender als der meist herumstehende Privat-PKW ist das auch. Aber es ist natürlich anders als gewohnt ... ;)

    Hört sich in der Theorie ganz schön an. In der Praxis sehe ich aber sehr viele Probleme. Eines ist die extrem unterschiedliche Bevölkerungsdichte. Was in Gebiet A gut funktioniert, kann in Gebiet B bereits zum Scheitern verurteilt sein. Und dann kommt schnell die Frage der Ungleichbehandlung auf.

  • Wie soll das gehen? ;) Es gibt ja gar nicht genug Lademöglichkeiten in den Großstädten, um den Bedarf überhaupt zu decken. Von einem potenziellen Zusammenbruch kann nicht die Rede sein.

    Doch. Wenn von Ware A ausreichend vorhanden ist, für die allerdings die zu knappe Ressource B benötigt wird, bricht das System schon während des Aufbaus in sich zusammen.

  • Wer sagt eigentlich, daß autonomes Fahren = elektrisches Fahren ist ?
    Warum nicht ein selbst -lenkendes und -gasgebendes / -bremsendes Verbrennermodell ?

    Mal sehen, wer als erstes darauf kommt...

    Zitat Djordje:
    "...das fette Touchdisplay, KI, und sonstiger Klimbim..."
    ==> könnte man doch auch in einen Verbrenner einbauen

  • Doch. Wenn von Ware A ausreichend vorhanden ist, für die allerdings die zu knappe Ressource B benötigt wird, bricht das System schon während des Aufbaus in sich zusammen.

    Magst du für mich (uns) aufschlüsseln wofür A und B steht?

    Langfristig werden wir über unsere Stromnetze mehr Energie liefern können, als überhaupt Bedarf besteht. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

    Für die Abnehmer sind allerdings nicht die Netzbetreiber verantwortlich.

    Damit wären wir auch wieder beim Thema Eisenbahn, immerhin fährt sie überwiegend mit Strom. In meinen Augen, stehen uns da weiterhin ungeahnte Möglichkeiten zur Verfügung. Die jedoch aus bedauerlichen Gründen nicht näher in Betracht gezogen werden. Um es in deinen Worten auszudrücken, das fette Touchdisplay, KI, und sonstiger Klimbim im Auto erfreuen sichtlich mehr dein Herz. ;)

    Gruß
    Djordje

  • TAG 11 An deinem Post #27 ist alles falsch.

    - Das Co²-Äquivalent ist besser. Bereits nach ca. 130 tkm Laufleistung ist der komplette Stromer (also Batterie + Restauto) besser als ein Verbrenner (schwankt je nach Modell und Hersteller). Anschliessend gibt es fast gar keinen CO²-Ausstoss mehr, wenn man Ökostrom nutzt. Das Altauto ist, was den Antrieb betrifft, zu nahezu 100% recyclebar.

    - China ist aktuell weltweit führend in Produktion nachhaltigen Stroms. Das stellt nicht in Abrede, dass trotzdem noch zu viel Energie aus Kohle und Gas produziert wird.

    - Seltene Erden und andere "kritische" Stoffe stecken auch in Verbrennern. Nur ist/war es uns bei denen egal.

    - Precht hat viel Meinung und fast keine Ahnung. Als Philosoph hat er mir vor 20 Jahren gefallen, heute geht er mehr in Richtung Verschwörer. Keine Ahnung, warum unser ÖRR dem so viel Bühne gibt ... obwohl ... das macht man mit Faschos ja inzwischen auch.

    ______________

    An alle, denen solche Themen im Modellbahnforum auf den Senkel gehen: Das ist nicht eure Themenliste. Joke&More, Klatsch&Tratsch, Geburtstags- und Beileidsbekundungen, etc. ... überspringt es. So mache ich es mit Themen zu Ep II im Bayrischen Wald - finde ich spannend wie Wandfarbe beim Trocknen zuzugucken.

    Liebe Grüsse,
    gerald ehrlich

    Edited once, last by Gerald (August 13, 2025 at 4:26 PM).

  • Magst du für mich (uns) aufschlüsseln wofür A und B steht?

    A steht natürlich für die E-Fahrzeuge. B steht für eine der Ressourcen Energie und/oder Rohstoffe. Es ist ja nicht so, dass nur die E-Mobilität mit elektrischer Energie versorgt werden will. Da sind auch andere Verbraucher, wie die produzierende Industrie und die Haushalte in insb. solar und/oder windschwachen Perioden.

    Ich bin grundsätzlich ein Befürworter dezentraler Hochenergieerzeuger, aber sie haben eben auch ihre Einschränkungen und Limitierungen. Und seien es auch nur die Baugenehmigungen.

    Nur so nebenbei. Ich arbeite seit fast 25 Jahren bei einem großen deutschen Automobilzulieferer, dem aktuell nach eigenem Bekunden das Wasser bis zum Hals steht. Insgesamt rechne ich zukünftig mit ca. 500.000 bis 1.000.000 wegfallender Arbeitsplätze in der gesamten deutschen Industrie, wovon allerdings ein nicht unbeträchtlicher Teil ins Ausland verlagert wird. Aber das ist jetzt nun wirklich ein anderes Thema.

  • Aber das ist jetzt nun wirklich ein anderes Thema.

    Automobilindustrie in Deutschland ist wahrlich ein eigenes Thema. Ich möchte lediglich anmerken, ich meine 2010 oder 2009 war es, da bin ich mit einer Kollegin über das Audi Gelände in Ingolstadt gelaufen und meinte zu ihr: Christine, dem Laden hier geht es noch viel zu gut. Wart ab, das wird noch mächtig knallen.

    Zum Thema Energieversorgung darf ich mich nicht weiter äußern. Wenn (Geo-)Politik, Lobbyisten und Gesellschaft nicht alles auf links (oder soll ich rechts sagen?) krempeln, freue ich mich tatsächlich auf die Zukunft.

    Gruß
    Djordje

  • Geht es doch weiterhin. Nur eben nicht in diesem Thread und diesem Unterforum. Also alles gut.

    Wie ist das eigentlich so bei euren Spur-1-Stammtischen? Wird man da auch sofort gemaßregelt, wenn man mal über das Essen oder das Wetter spricht?

  • Unsere Jungspunde unter 40 werden es noch erleben.

    Unterschätzt den Fortschritt nicht.

    In 30-40 Jahren wird es verboten sein am Auto noch irgend etwas zu anzufassen, denn eine selbstlernende Maschine macht jeden Fehler nur einmal und teilt diesen allen anderen Maschinen mit. Erwin Krawuttkenmacht den selben Fehler immer wieder und keiner merkt es.

    Plumbers nightmare, die Brum Brum machen, will so um 2040 keiner mehr.

    (Grosser Kühler, grosser Auspuff bedeutet: Hier wird jede Menge heisse Luft produziert.)

    Nix für ungut und ab in die Frustbox.

    Christian