Sandbunker und Besandungsanlagen

  • Hallo Ernst,


    in solchen gedeckten Schüttgutwagen wurde der Bremssand im Bw Tübingen und wahrscheinlich auch anderswo in den 70er Jahren angeliefert.


    In früheren Epochen dann wohl mit solchen Klappdeckelwagen.
    Der Bremssand ist ja sehr Betriebswichtig und Sicherheitsrelevant. Deshalb musste er von besonderer Härte (= Quarz) und gleichmäßiger Körnung sein. Dazu dann natürlich sauber und trocken damit er immer gut rieselfähig ist.

    Württemberg hatte dafür standardisierte Besandungsanlagen, hier in Tübingen kombiniert mit dem Kran für die Entschlackungsgruben. Auf der rechten Grube wird gerade 038 553 mit viel Dampfentwicklung von der Schlacke befreit. Der Fotograf steht an der Löschegrube, die auch sehr wichtig ist um die Dampfloks betriebstauglich zu halten.


    Aus diesem Blickwinkel sieht man die Bodenklappe der Sandgrube am Fuß des Besandungsgestells. In die Grube schüttete man den angelieferten Sand der dann mit Druckluft in den Hochbehälter gefördert wurde. Mit den Ktmm-Wagen war es natürlich relativ einfach, den Sand dort hineinrieseln zu lassen während es mit den Klappdeckelwagen nur mit Schaufeln ging. An beiden Wagenarten waren die Spalte der Klappen und Türen mit (Zeitungs-) Papier zugestopft damit unterwegs nicht zu viel verloren ging.

    In kleineren Dienststellen wurde der Loksandbedarf in Säcken oder Fässern angeliefert

    Hier der Grundriss eines einständigen Lokschuppens in dem extra die Standorte der Sandkästen vermerkt sind.

    Grüße aus Lichtenstein (Württemberg)
    Michael

    Edited once, last by Michael Staiger (July 20, 2025 at 5:17 PM).

  • Hallo Ernst,

    schöne Bilder, das ist dann die Anlieferung von getrocknetem Sand. Interessant der stationäre Sandkessel.

    Wenn mich nicht alles täuscht, ist das der Kessel vom KKD49 der von den Amerikanern während und nach dem WKII nach Europa gebracht wurde, bei der DB eingereiht und zum Transport für losen Zement verwendet wurde. Nachhaltige Verwendung.

    https://www.stefancarstens.de/wp-content/uploads/2025/02/KKd49_359040_SchwenkSiloZement_SrgHgbf_FWillke_%C2%A9SC.jpg


    Privatanschlüsse an der Angertalbahn Güterwagen zum Kalktransport


    Grüße

  • Guten Abend zusammen!

    Der Bremssand war und ist immer ein wichtiger Betriebstoff. Spannend war und ist in den letzten Jahren die vorsintflutliche Besandung von Neubauelloks auf kleinen Dienststellen. Diese Loks haben waagerecht angeordnete Einfüllöffnungen......gedacht für Druckluftbefüllung mit Schläuchen. Mit den Sandsäcken reinschütten ging nicht, und auch die zweckentfremdeten Hausbrand Kohlenschütten funktionierten nicht, weil quadratisch im Querschnitt, die Einfüllöcher aber rund sind. Inovative Lösung : Ein großes Stück Abflußrohr einseitig mit Stopfen , die andere Seite angeschrägt. Dieses Teil muß aus Säcken befüllt werden und zielgerichtet nach dem Rückstoßprinzip in die Sandöffnung der Lok eingeführt werden, so dass der Sand durch die kinetische Energie sich in den Sandkasten der Lok bequemte......Ein toller Spass im Herbst, wenn die Kästen oft leer sind......Die Suche nach dem "Rohr" und nach trockenem Sand in der Vorratskiste "Bauart Strassensplitt" mal aussen vor. (Bei der oft durch Wind der Deckel offenstand und es reinregnete .) Schleppen inclusive......Nicht alles in der Neuzeit ist besser als früher....

    Peter, ja Du hast Recht, die Sandvorratsbehälter auf den Sockeln stammen aus Amerika :). Einige Dienststellen im Ruhrgebiet hatten das so. Mindestens zwei davon gab es im Bw Hamm auf der Freifläche an der Schiebebühne (Güterzugschuppen) und wie auf den gezeigten Fotos zu sehen in Mainz Bischofsheim. Gruß Wolfgang

  • Hi,

    Da ich ja im BW Nürnberg Rangierbahnhof arbeite, kann ich sagen; Wir bekommen den Sand in Staubsilowägen wie in Beitrag #6 schon gezeigt.

    Der Sand wird dann in die stationäre Sandanlage umgefüllt. Auf Gleis 30 (Servicegleis) muss dann nurnoch der Schlauch in den Sandkasten, Hahn auf und warten bis voll.

    Der Sand wird dann quasi mithilfe von Druckluft durch die Rohre geschoben.


    ~Fabi

  • ....jo Fabi.. das ist auf Großdienststellen so, das kenne ich natürlich auch, z .B. Gremberg oder Oberhausen. Aber wenn kein Sand mehr in der Lok ist, ist sie nicht betriebsfähig und dann fängt der Ärger an, wenn man in der Pampa ist......:/

    Gruß Wolfgang

    Ach so was mir noch einfiel.....in Gremberg wurde auf den Ein u. Ausfahrtgleisen eine moderne Druckluftbesandungsanlage mit mehreren Zapfstellen und Schläuchen installiert, gespeist aus einer stationären Siloanlage.....die wiederum mit Silosattelzügen über die Strasse befruchtet wird. Alles ganz modern und nix mehr über die Schiene......

  • Die Baureihe 152 ist bzw. wird aufgerüstet mit Sandsensorik, sprich es wird direkt gemeldet wenn nurnoch wenig Sand vorhanden ist. Abgesehen davon müssen beim Abschlussdienst die Betriebsstoffe geprüft werden ;)

    Und ich hab bisher noch keine Lok gehabt bei der der Sand vollständig alle war.

  • ..Fabi ich bin jetzt gut 3 Jahre zu Hause, aber ich war 35 Jahre auf der Schiene unterwegs und habe dabei sehr viel erlebt.

    Klar gibt es Regularien, die die Betriebsbereitschaft einer Lok garantieren sollen. Aber Vorschriften und Realität divergieren schon mal. Ein Abschlußdienst A1,also der mit prüfender und untersuchender Funktion, muß einmal innert 24 Stunden gemacht werden. Das muss dann nicht zwingend bei Dienstende sein. Die Art des Abschlussdienstes steht in der Regel im Dienstplan. Lange Jahre fuhren wir Erzzüge von Neuss nach Linz a d Donau in der Relation bis Mainz Bischofsheim oder sogar einge Zeit bis Schweinfurt. Die Loks BR 185 DT liefen häufig tagelang Neuss Linz hin und her. War das Wetter schlecht und Lokführer mit dem Sand am asen, waren die Kästen schon mal leer, nicht alle auf einmal, aber so, das man nicht mit 4000 t Erz erneut auf die Reise gehen wollte. Wenn man nach gefahrener Schicht, mit einer Verspätung jenseits von gut und böse , endlich die Lok am Abstellplatz hatte, hat niemand mehr einen vorschriftsmäsigen Abschlußdienst gemacht, sondern die Lokleitung darüber informiert und isft nach Hause! Nicht selten hat dann eine Bereitschaft oder der ablösende Kollege dies nachgeholt......mit weiterer Verspätung ... ich könnte Bücher schreiben über meine Erlebnisse, also ganz ruhig , ich weiß wovon ich schreibe. Sensoren bei der 152 sind mir nicht so geläufig, ich habe mehr kaum zu erkennende Schaugläser an den Sandkästen unterm Rahmen im Kopf.Seit wann gibt es die denn? Vielleicht wurden die ja nachgerüstet? Da waren die Bombadier Loks einfacher zu beurteilen.... wenn die Schaugläser nicht gar zugeschweißt waren, wegen rausfallender Glasscheiben.:/

    Es wäre schön , jedem die Erfahrungen zuzubilligen die man gemacht hat und nicht immer alles belehrend in Frage zu stellen...

    Gruß Wolfgang

  • Wolfgang hat ja bereits einige Beispiele genannt, warum Sand schon mal fehlt. Ich kann seine Erlebnisse 1:1 bestätigen. Wenn ich, obwohl die maximale Schichtzeit 14 h beträgt, nach 19 h und mehr auf den Hof komme, schleppe ich nicht auch noch 60 kg Sand - "Melden macht frei", sagt man.

    Dann gibt es ja auch noch technische Probleme, warum Sand fehlt. Ein Rohr oder gar mehrere, blasen ab ohne dass man es gleich merkt und zack, ist der Kasten leer. Viele Langstreckenloks haben Sandsäcke an Bord zum Nachfüllen. Aber auch der ist im Herbst schnell aufgebraucht und wie Wolfgang richtig schreibt, sind die Loks oft tagelang, manchmal wochenlang, nicht zu Hause. Dann ist auch dieser Vorrat alle.

    Heute habe ich in Venlo wieder einen 4.000-Tonner übernommen. Es regnete immer mal wieder schauerartig und mein Lotse (bis Kaldenkirchen mit NL-Befähigung) und ich, waren froh, dass zwei Züge vor uns raus durften. Es geht ab dem ASig direkt eine lange Steigung mit mehreren Bü hoch. Die Vorpfuscher sollten uns die Schiene trocken fahren. Doch als wir endlich den Fahrtbegriff bekamen, setzte wieder Regen ein. Ich legte den Hebel nach vorne und betätigte wechselweise mit verschiedenen Fingern die Sandtaste durchgehend. Fingerwechsel weil es weh tut, knapp 12 min die Taste zu halten und dauernd, um nicht stehen zu bleiben. Wir schafften es, von der Ausfahrtgruppe bis zur Steigungssohle 25 km/h auf dem Tacho zu haben, welche sich bis oben auf 7 km/h abbauten. Trotz permanentem Sanden schleuderte unsere Euro9000, die aktuell stärkste Lok Europas. Es kam ein Notruf vom Fdl für unseren Zug auf niederländisch rein, welchen der Lotse entgegen nahm, wir sollen anhalten. Es bestand die Gefahr, dass die Bü öffnen, weil wir so langsam waren und mein Kollege diskutierte (ich verstehe ein wenig Niederländisch), dass wenn wir stehen bleiben, dann nicht mehr wegkommen. Wir würden die Bü, so langsam wie wir sind, gut einsehen und beobachten und weiterfahren, solange sie technisch gesichert sind. Der Fdl gab unter Protest sein Einverständnis. Ohne Sand hätte ich jetzt noch keinen Feierabend um hier zu schreiben.

    Liebe Grüsse,
    gerald ehrlich

  • Ich meinte das überhaupt nicht böse oder so. Ich arbeite in der Werkstatt und bekomme nicht alles mit was draußen passiert. Das sehe ich ein. Wenn sich deswegen jemand angegriffen fühlt, dann tut es mir leid...


    Wenn eine Lok zur Frist, Nachschau oder Reperatur da ist, werden idr. immer die Betriebsstoffe gefüllt. Selbst wenn der Sandkasten halb voll ist.


    Die Sandsensorik bei der 152 wird seit ca 2 Jahren nach und nach nachgerüstet.

    Das XLoad system wird evtl. auch noch Thema in Zukunft sein. https://www.mobility.siemens.com/ch/de/unterneh…e-zugkraft.html

  • Mensch, Ihr Profis,

    das liesst sich ja spannender als jeder andere Krimi. da fragt man sich im Wissen dieser Geschichten, was so wirklich rund um die Welt, und wenn nur in Europa so täglich abgeht auf der Schiene, und abends wird dann nur gewettert um 2000 uhr in den TV Nachrichten, DIE BAHN, NIE PÜNKTLICH...

    Ob dann die Theorie-Strategen im Planungsbüro der zukünftigen Taktungsverdichtung Perso/Güter-Verkehr-Mix das mit welcher Wahrscheinlichkeit auf der Pfanne haben ?

    Wieviele Züge müssen denn so täglich ABGESCHLEPPT werden oder geglaubt nachgeschoben werden...?

    ich werde mal recherchieren, ob es Statistiken gibt, welchen prozentualen Anteil es an 4000to Zügen im gesamten Güterverkehrszügen Vergleich gibt oder was es überhaupt so gibt an Tonnagen. mal auf die Schnelle worst case für mein Lieblingsthema des KV : 700m durch 20m (pro 60ft Tragwagen) und er tatsächlich auf 90to käme, mal 35x käme man ja schon auf 2700 + 450 = so rund 3150 to, und davon gibt es ja wohl einige Züge des KV...

    Mal sehen, was Ihr Profis dazu sagen könnt oder möchtet.

    Im Respekt vor allen aktiven und A.D. Zuführern ? Lokführern ? falls der Begriff schon wieder falsche sei...

    Mike

  • Mike , heute könnte es eigentlich viel besser funktionieren , wenn der Sparzwang nicht so übertrieben würde, das dadurch das System kollabiert. Meine favorisierte "Modellbahnzeit" ist die Epoche 2 und zwar nicht aus politischer Sicht, sondern weil da die Bahn in der Entwicklung ein sehr breites Spektrum abgedeckt hat und hervorragend funktioniert hat. Die Betriebsabläufe waren wesentlich komplexer und alles ohne Computer und KI.....aber es hat alles funktioniert. Klar viel mehr Strecken und noch viel mehr Personal. Das Disaster auf der Bahn in Deutschland ist hausgemacht. Vorneweg die saumäßige absolut nicht nachhaltige Verkehrspolitik und ein rein Betriebswirtschaftlich orientiertes Management, welches betriebsfremd einfach versucht mit Lösungen der freien Wirtschaft den Tanker "Eisenbahn" zu fahren. Kundschaft und Belegschaft ausser Acht lassend. Öffentlicher Verkehr sollte volkswirtschaftlich organisiert sein und an der schwarzen Null arbeiten, dann wäre mehr Spielraum für pünklichen Betrieb.

    Und was hat das mit dem Sand hier zu tun? Der Sand sollte in die Sandkästen und nicht ins Getriebe.....

    ;)


    Gruß Wolfgang

  • oot

    ch werde mal recherchieren, ob es Statistiken gibt, welchen prozentualen Anteil es an 4000to Zügen im gesamten Güterverkehrszügen Vergleich gibt oder was es überhaupt so gibt an Tonnagen. mal auf die Schnelle worst case für mein Lieblingsthema des KV : 700m durch 20m (pro 60ft Tragwagen) und er tatsächlich auf 90to käme, mal 35x käme man ja schon auf 2700 + 450 = so rund 3150 to, und davon gibt es ja wohl einige Züge des KV...

    Mal sehen, was Ihr Profis dazu sagen könnt oder möchtet.

    Mache doch dazu gerne einen neuen Thread auf, ich würde mitdiskutieren und hätte noch ein paar Episoden und Bilder am Start zum Thema.

    Dein Rechenbeispiel habe ich nicht verstanden. Die KVs sind oft 700 m lang, aber nicht so schwer. Nicht alle Container/Trailer sind mit Coils beladen, manche auch mit Wattebäuschen. Aber lasse uns das hier nicht versanden.

    Liebe Grüsse,
    gerald ehrlich

  • Ja, BITTE! Macht eine neuen Thread auf. Es ist bestimmt spannend, was ihr zu erzählen habt, aber bitte nicht in diesem hier.

    Freundliche Grüße Axel

    WUM = Weserumschlagstelle ; Epoche 2c-3a (1945-1956) und Epoche 5/6 im FREMO:32 , Finescale und DCC

    Edited once, last by WUM (July 22, 2025 at 2:08 PM).