1. Advent – Lichtsignale Bauart 59 für Oldenburg

  • Moin, Jungs,

    in meinem Kopfbahnhof Oldenburg werden neben den ein- und ausfahrenden Güter- und Personenzügen auch jede Menge Rangierfahrten durchgeführt. Dazu zählen auch die häufigen Lokwechsel und viele Lokfahrten der Schlepptenderloks zur Drehscheibe und zurück, wobei es oft über die Streckengleise geht. Um dieses Kuddelmuddel besser in den Griff zu bekommen, entschloss ich mich Ende 2022, endlich die Lichtsignale zu bauen und aufzustellen.

    Von den bei meiner ersten Spur 1 Anlage gebauten sechs Signalen konnte ich zwei Ausfahrsignale und zwei niedrige Sperrsignale wieder verwenden, alle weiteren Signale mussten neu gebaut werden.

    Als erstes begann ich mit dem Bau der zwei Einfahrsignale.

    Die Lichtsignale wurden hauptsächlich aus Polystyrol gebaut, wie auf Bild 1 und 2 zu erkennen ist. Bild 1 zeigt den Bau eines Masts. Unter Zuhilfenahme einer Papierschablone (links im Bild) konnten die zurechtgeschnittenen Querstreben mit den immer gleichen Abständen zueinander zunächst auf das quadratische Hohlprofil aufgeklebt werden. Bevor nun auf der anderen Seite das U-Profil aufgeklebt wurde, erfolgte eine Bemalung des inneren Mastbereiches. Damit war so ein Mast fertig.

    Auf Bild 2 ist zu sehen, dass die vier Microlitzen für die drei LEDs alle durch das vordere quadratische Hohlprofil passten, danach wurden die Widerstände angelötet. Durch farbiges Gewebeband konnten die Kabel den einzelnen LEDs zugeordnet werden. Die Litze mit dem roten Fähnchen ist die gemeinsame Rückleitung. Bei den vierbegriffigen Ausfahrsignalen habe ich übrigens zwei der insgesamt sechs benötigten Litzen in das U-Profil eingeklebt.

    Auf Bild 3 sind Lampenschilde und Maste miteinander verklebt. Die Halterungen unterhalb der Schilde sind aus Messingprofilen, ebenso die Halterungen für die Warntafel und die Signalbezeichnung am Mast.

    Für das Zusatzsignal Zs 1, das Ersatzsignal für den Fall, dass das Hauptsignal nicht mehr schaltbar oder gar erloschen ist, fertigte ich zunächst am Computer eine passende Zeichnung an, die anschließend mittels Fotokleber auf ein Stück schwarze Hartschaumplatte aufgeklebt wurde.

    Das Signal blieb funktionslos, damit ich aber die Lampenschirme immer an der richtigen Stelle aufkleben konnte, nutzte ich die Zeichnung, um mit einem passenden Messingröhrchen eine Markierung dieser Lichter, die im Normalbetrieb immer dunkel sind, im weichen PVC herzustellen.

    Anschließend wurden die Signalkörper mit einem Cutter ausgeschnitten und das Papier abgezogen.

    Die Blenden wurden aus aufgeschnittenen Strohhalmen unter Zuhilfenahme eines Lochers hergestellt, passend mit dem Cutter auf einer Seite gerade geschnitten und dann über den Markierungen aufgeklebt. Bild 4 zeigt die beschriebenen Arbeitsschritte.
    Bei den Mastschilden hatte ich zunächst rotweiße Papierschilder ausgedruckt, die auf dünne Polystyrolprofile aufgeklebt werden sollten. Das Weiß erschien mir aber, obwohl ich es am PC etwas dunkler gemacht hatte, zu rein.

    Daher druckte ich nur den roten Teil aus und klebte diesen auf die mit weißer Revellfarbe bemalte Oberseite des Profils. Dann wurde das Ganze mit mattem Klarlack überzogen.

    Bild 5 zeigt an der Pinzette den Papierausdruck mit dem schon etwas nachgedunkeltem weiß. Daneben der mit weißer Revellfarbe angemalte Polystyrolstreifen mit aufgeklebtem roten Mittelstreifen.

    Die Schilder für die Signalbezeichnung wurden aus 0,5 mm dickem Polystyrol hergestellt und ebenfalls auf der Oberseite weiß bemalt. Aus einem Anreibebuchstabenset wurden die zugehörigen Buchstaben ausgewählt und aufgerieben, anschließend erfolgte auch hier eine Versiegelung mit Klarlack.

    Schließlich bekamen die Signale am Fuß noch ein Stück Aluminiumrohr angeklebt, durch die die Kabel zu ihren Steckern geführt wurden.

    Diese Stecker aus dem Computerbedarf waren so klein, das sie durch die zu dem Aluminiumrohr passendem Gegenstück aus Kunststoff in der Anlagenplatte passten. So konnten die Signale jederzeit abgenommen werden.

    Bild 6 zeigt die Vorder- und Rückseite der beiden fertiggestellten Einfahrsignale. Am rechten Signal sieht man unten am Fuß das Aluminiumrohr, welches in das – etwas aus der Holzleiste herausgezogene – Kunststoffrohr eingeschoben werden kann.

    Als nächstes wurden die Ausfahrsignale gebaut. Die halbrunden Lampenschirme wurden hier aus 0,5 mm dickem Polystyrol hergestellt, auch die Schaltkästen wurden aus Polystyrolprofilen und Polystyrolstücken hergestellt (Bild 7), ansonsten war alles baugleich mit den Einfahrsignalen. Für die Sh1-Lichter verwendete ich 3 mm durchmessende warmweiße LEDs, die anderen LEDs hatten einen Durchmesser von 5 mm.

    Nun wurden im Schaltpult die noch fehlenden Anzeige-LEDs eingeklebt, die restlichen Schalter für die Signalsteuerung eingebaut und alles mit Kabeln verbunden. Auch die Kabel, die nach draußen zu den Signalen führten, wurden an ihre Anschlüsse angelötet.

    Das alles ging natürlich nicht ohne Probleme ab und durch die Fehlersuche dauerten die Arbeiten auch einige Tage länger als geplant. Ich zeige hier mal als Beispiel einen meiner „Schaltpläne“. Nur so konnte ich das Ganze verstehen und die Kabel an die richtigen Stellen löten.

    Bild 8 zeigt daher Michels Schaltplan für ein Ausfahrsignal zur Anzeige von Hp00, Hp1, Hp2 und Hp0/Sh1. Der umrandetet Bereich stellt das Pult da, rechts daneben dann die jeweilige Anzeige am Signal. Über die drei Drucktasten werden die LEDs, die leuchten sollen, mit Strom versorgt. Bei den LEDs im Pult habe ich noch den Widerstand mit eingezeichnet, bei den Signalen habe ich sie nicht mitgezeichnet.

    Die Diode von Schalter zwei zur grünen LED habe ich erst eingeplant, nachdem beim ersten Versuch die gelbe LED auch bei HP1 schon mit leuchtete. So ist das Leben.

    Das anlöten der Kabel an die LEDs war sehr fummelig, da diese erst festgeklebt wurden und dann gelötet wurde. Bei den Schaltern lötete ich erst alle Kabel an, bevor ich sie im Pult befestigte.

    Bild 9 zeigt zur Freude aller Fachleute, denen sich bei diesem Anblick wahrscheinlich die Fußnägel hochklappen, ein Blick ins Innere des Schaltpults. Oben die Leiste mit den Anschlussbuchsen. Diese Leiste ist nur verschraubt und herausnehmbar, damit ich alle Kabel problemlos anlöten konnte. Darunter der Bereich mit den Anzeige-LEDs und den Schaltern für die Sperrsignale. Unten die Schalter für die Hauptsignale. Dabei muss man bedenken, dass ich einen Teil des Pults ja schon 2018 gebaut habe – da musste ich mich erstmal wieder reindenken. Besser, man baut sowas sofort fertig. :S

    Anfang 2023 waren auch alle Verbindungslitzen vom Pult zu den einzelnen Signalen fertig (Bild 10). Je nach Signalposition waren hier mehrere Segmentkanten mit Steckern zu überwinden. Die längste Kabelverbindung mit den meisten Steckern war natürlich die zu den Einfahrsignalen.

    Nachdem alle Signale an ihren Positionen aufgestellt waren begann das mühselige verlegen der Kabel unter der Anlage.

    Ich begann mit den Einfahrsignalen. Nachdem die Signale am Pult angeschlossen waren, schaltete ich den Trafo ein und hoffte, dass alles funktionieren würde. Und so war es auch, juchhu.

    Also wurden die Ausfahrsignale angeschlossen. Weil es noch sehr kalt im Eisenbahnraum war, erfolgte die Verlegung der Leitungen hier zunächst nur fliegend. Sobald es wärmer werden würde, sollte eine korrekte Befestigung der Leitungen erfolgen, aber scheinbar war es 2023 nicht warm …. :whistling:

  • Ich widmete mich nun dem Bau der Sperrsignale. Hier waren drei hohe und vier niedrige Signale vorgesehen, blieben also noch fünf zu bauen.

    Bevor ich die 3 mm durchmessenden roten und warmweißen LEDs einklebte, fertigte ich zunächst die Vorderfronten der Signalkörper und die Fundamente aus Hartschaum. Die Sockel und eine Halteplatte zur besseren Befestigung der Signale am Mast wurden aus 1 mm bzw. 0,5 mm dickem Polystyrol erstellt, die Mastrohre aus 3 mm durchmessenden Polystyrolprofilen (Bild 11).

    Auch bei diesen Signalen wurden die Blenden nicht mehr aus Strohhalmen erstellt, sondern aus halbrunden, 4 mm breiten Polystyrolprofilen.

    Nachdem alles angemalt war, wurden die Teile miteinander verklebt (Bild 12)

    Auch die niedrigen Sperrsignale erhielten einen ganz kurzen „Mast“. Da hier alle Signalteile einen schwarzen Anstrich erhielten, konnten sie schon vor dem Bemalen zusammen geklebt werden. In die Fundamente sind sie auf Bild 13 nur gesteckt

    Nun konnten die LEDs verkabelt und eingeklebt werden. Dabei wurden für die gemeinsame Rückleitung zum Trafo die Beinchen der LEDs gekürzt, umgebogen und miteinander verlötet. Auch die beiden weißen und roten LEDs wurden mit einer Microlitze zusammengeschaltet, so dass insgesamt nur drei Microlitzen durch den Polystyrolmast geführt werden mussten (Bild 14).

    Nun konnte der hintere Teil der Signalkörper erstellt werden. Dazu wurden oben und unten an der Vorderfront Polystyrolstücke als Abstandshalter eingeklebt und darauf die Abdeckplatte der Rückseite, natürlich ebenfalls aus 1 mm starkem Polystyrol.

    Anschließend habe ich aus 130g Fotopapier Streifen passender Breite geschnitten und diese dann als Außenhaut auf den vorderen und hinteren Rahmen aufgeklebt.

    Den „Wulst“, den es beim Original zwischen dem Signalkörper und dem abnehmbaren Hinterteil gibt, habe ich aus einem dünnen runden Polystyrolprofil nachgebildet in der Gewissheit, dass das Ganze schwarz angemalt wird und dann meine bastlerischen Freiheiten sowieso nicht mehr erkannt werden (Bild 15).

    Als nächstes wurden die noch fehlenden Details am Mast angebracht. Neben den Warnbaken an der Vorderseite wurden die Aufstiegstritte und die Streben an der Sockelplatte aus Polystyrol angefertigt und angeklebt (Bild 16).

    Wie bei den Hauptsignalen wurden unten am Fundament kurze Aluröhrchen angebracht und dann die ganzen Kabelstränge erstellt. Auf Bild 17 sind alle Lichtsperrsignale Oldenburgs zu sehen. Die beiden niedrigen Signale mit dem dunkelgrauen Einbaurohr waren bereits 2005 entstanden, hatten noch Blenden aus Strohhalmen und die Warnstreifen auf der Rückseite waren mit Farbe aufgemalt, während die neueren Signale eine am Computer erstellte und auf mattem Fotopapier ausgedruckte Rückseite erhielten.

    Bild 18 zeigt alle Signale mit allen Leitungen, die für einen Test zu Hause am Trafo auf dem Basteltisch liegen. Nach einem erfolgreichen Testverlauf wurden die Signale auf der Anlage aufgestellt und unter den Segmenten die Kabel verlegt. Auch hier funktionierte alles wie geplant und damit konnte das Thema Lichtsignale in Oldenburg erstmal abgehakt werden. Die einzigen jetzt noch fehlenden Signale waren die beiden Vorsignale für die Einfahrsignale. Diese wollte ich später zusammen mit den Signalen für den Arbeitsbahnhof bauen.

    Da das Ausfahrsignal F und das Sperrsignal 7 sehr nahe an der Anlagenkante standen, fertigte ich vorsichtshalber Schutzplatten aus durchsichtigem Kunststoff an, die in einfache Halterungen seitlich an den jeweiligen Segmenten eingeschoben werden können (Bild 19). Wie sich herausstellte, was das eine gute Entscheidung.

    Das Fahren mit den Signalen macht vor allem dem Fdl Oldenburg viel Spaß, die Lokführer müssen jetzt allerdings immer einen Standort wählen, wo sie die Signale gut erkennen können. Auch optisch ist es eine kleine Verbesserung für den Bahnhof (Bild 20), in dem es 2024 weiter voran gehen wird.

    Gruß

    Der Michel

  • Moin, moin,

    sieht super aus! Ich verstehe auch den Ansatz des analogen Selbstbaus. Für Lichtsignale ist auch gut der Signal-Pilot von Esu geeignet. Da wäre auf jeden Fall mehr Zeit zum Gitarre-Spielen :D ! (und man spart durch die dezentrale Positionierung Kabel)

    Viele Grüße,

    Sebastian

  • Moin, Sebastian,

    derzeit braucht der Fdl in Oldenburg noch einen Weichensteller, da alle Weichen nur vor Ort per Hand gestellt werden können. Meine Pläne gehen inzwischen dahin, ein digitales Pult à la Track Control von Uhlenbrock zu installieren und damit Weichen und Signale und auch Fahrstraßen zu schalten. Das kann aber noch dauern. :S

    Gruß

    Der Michel

  • Bei den Warnbaken hatte ich zunächst rotweiße Papierschilder ausgedruckt


    Lieber Michel,
    habe soeben dein Video (https://www.youtube.com/watch?v=y1KwRX-YUig) genossen. Ein herzliches DANKE dafür.
    Es ist einfach toll, dass Du bereits beim Bauen und Basteln über das gesamte Jahr, an die Dokumentation mit Bildern und Filmchen denkst. Ich weiss, dies ist dein anderes Hobby, aber selbstverständlich ist der Aufwand für das Vertonen, Schneiden und Bearbeiten nicht - grosses Kino.

    Im Film fiel mir auf, dass Du von "Warnbaken" sprichst und habe daraufhin nochmals diesen Beitrag hervorgeholt, wo es ebenso ist. Ich möchte nicht mäkeln, das steht mir nicht an, nur berichtigen oder aufklären.
    Es handelt sich um ein "Mastschild", was wie ein Signal zu werten ist.

    "An einem durch ein weiß-rot-weißes Mastschild gekennzeichneten Lichtsignal, das Halt zeigt oder gestört ist, dürfen Züge nur auf Ersatzsignal (Zs1), Vorsichtsignal (Zs 7), Gegengleisfahrt-Ersatzsignal (Zs 8 ), Befehl oder bei Signal Zs 12, auf mündlichen bzw. fernmündlichen Auftrag, vorbeifahren. Rangierfahrten dürfen nur mit Zustimmung des zuständigen Wärters am Signal vorbeifahren."

    Liebe Grüsse,
    gerald ehrlich

  • Moin, Gerald,

    mit dem Begriff Warnbake bin ich auch nicht zufrieden gewesen, aber mir ist nichts anderes eingefallen. Dabei ist Mastschild doch genau richtig. Danke für Deinen Hinweis, der Licht ins Dunkel bringt und den ich auch nicht als Mäkelei erkenne. Ich habe es hier im Bericht schon geändert.

    Noch einen schönen Weihnachtsabend.

    Gruß

    Der Michel

  • Hallo Michel,
    hallo zusammen!
    So etwa hatte ich 2004 (oh je, lange her...) auch meine Signale gebaut. Die Seitenteile der Masten hatte ich allerdings aus einem Stück erstellt, also die Ausschnitte alle einzeln ausgeschnitten.
    Die ersten Ausfahrtsignale hatten anfangs für die weißen Licher Micro Glühlampen bekommen. Die weißen LED waren seinerzeit noch sehr kalt, fast blau und ziemlich teuer. Erst später hatte ich sie auf LED umgerüstet. Welch Fortschritt, wenn man bedenkt, welche Größen und Farbtöne heute zu bekommen sind - Wahnsinn!
    Ich hatte die Signale mit einem Stecksockel versehen, dort waren 2,54 mm Buchsenleisten eingeklebt, auf der Anlage gab es dazu den "Einsteckschacht" mit der gegenseitigen Stiftleiste. Somit konnte man die Signale ohne Probleme einfach kurz abnehmen, wenn diese bei Arbeiten im Weg waren.
    Leider war auch die Digitalfotografie 2004 noch nicht so weit, daher ist die Qualität der Fotos auch noch schlechter.
    Aber vielleicht als Anregung auch mal meine Fotos.
    2015/2016 habe ich alle verkauft, da ich ja mit der Spur 1 aufhören wollte/musste... .

    Beste Grüße
    Patrick
    [size=10]https://patricks-bahn.jimdofree.com/[/size]

  • Moin, Patrick,

    da hast Du Dir aber auch eine Menge Arbeit gemacht, sieht sehr gut aus. Ich habe immer zuerst oben an den LEDs die Kabel angelötet und dann durch den Mast gezogen, da fand ich es dann einfacher, unten noch ein paar Zentimeter Kabel zum anlöten zu haben, als direkt an einen eingeklebten Stecker am Mastfuss anzulöten.

    Gruß

    Der Michel

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