Die Baureihe 82 wurde als erste Neubaulokgattung der DB zwischen 1950 und 1951 von den Unternehmen Krupp und Henschel sowie in einem weiteren Baulos 1955 von der Maschinenfabrik Esslingen gefertigt. Die für den Rangier- und Streckendienst vorgesehene Güterzugtenderlokomotive sollte die fünffach gekuppelten Länderbahnbauarten ablösen.
Schon 1939 begannen Planungen, eine leistungsfähige Lok als Ablösung für die diversen als DRG-Baureihe 94 eingeordneten Länderbahn-Baureihen, insbesondere die Preußische T 16.1 (Baureihe 94.5), zu entwickeln. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Arbeiten in Zusammenarbeit der Vereinigung Deutscher Lokomotivfabriken und des Eisenbahn-Zentralamts der Deutschen Bundesbahn unter Leitung von Bauartdezernent Friedrich Witte wiederaufgenommen.
Das Ergebnis der Planungen, an denen Henschel, Krupp, Krauss-Maffei und die Maschinenfabrik Esslingen beteiligt waren, kann als "eierlegende Wollmilchsau" bezeichnet werden: Eine fünffach gekuppelte Tenderlok mit beachtlichen 1.290 PS Leistung, 70 km/h Höchstgeschwindigkeit (eine so schnelle laufachslose Dampflok hatte es in Deutschland bis dahin noch nicht gegeben!) und einem gelenkigen Fahrwerk, das auch mit den 100-Meter-Radien der Hamburger Hafenbahn keine Probleme hatte. Noch nicht abzusehen war seinerzeit, dass die 82 sogar als Steilstreckenlok im schweren und hochwertigen Reisezugdienst ihren Mann stehen würde.
Bei der Konstruktion versuchte man, eine gleichermaßen gut für den Rangier- wie Streckendienst geeignete Maschine zu schaffen. Nach dem bisherigen Stand der Technik widersprachen die maßgeblichen Konstruktionskonzepte einer gleichwertigen Eignung für beide Dienstbereiche.
Um die für den Streckendienst auch bei höheren Geschwindigkeiten notwendigen sicheren, ruhigen und gleisschonenden Laufeigenschaften, ohne die für eine reine Rangierlokomotive überflüssigen Laufradsätze zu erhalten, wurde entschieden, die äußeren Kuppelradsatzpaare zu je einem Beugniot-Lenkgestell zu vereinen.
Keine Nieten mehr, alles geschweißt, nur wenige Leitungen und Stangen entlang des Kessels. Der angedeutete Kranzschornstein machte sich gut. Nur der Dampfdom blieb auf dem Kesselscheitel, die Sandbehälter wurden zwischen den Wasserkästen und dem Kessel untergebracht. Der Kohlenkasten mit seinen beiden oberen, klappbaren Abdeckblechen war schon ab Werk voluminös genug ausgefallen, es brauchte keine Bretter mehr, um ihn zu vergrößern.
Bei der Dimensionierung der Zylinder, die bei einer Rangierlokomotive wegen der aufzubringenden großen Kräfte mit kleinem Durchmesser, bei einer Streckenlokomotive hingegen zur Ausnutzung der Dampfdehnung großvolumig auszulegen gewesen wären, entschied man sich für einen Kompromiss. Dieser führte allerdings, wie von Friedrich Witte vorhergesagt, zu einem erhöhten Brennstoffverbrauch. Im Rangierdienst schwankte der Mehrverbrauch zur T 16.1 um bis 19 %, im Streckendienst sogar um 30 %.
Am 4. Oktober 1950 lieferte Henschel mit der 82 023 die erste Neubau-Dampflok überhaupt aus – nur wenige Tage vor der prestigeträchtigeren 23 001. Bis Ende 1951 fertigten Krupp, Henschel und die Maschinenfabrik Esslingen die restlichen Maschinen der ersten Bauserie, die die Nummern 82 001 – 037 trugen.
Die frühen Lieferserien hatten das Klimadach mit aufgesetztem Dachlüfter, später wurden Tonnendächer mit integrierten Lüfterreihen verbaut. Ab Werk hatten die meisten Lokomotiven keine Vorwärmer, allerdings wurde einige mit Mischvorwärmern nachgerüstet. Zehn Lokomotiven hatten einen Oberflächenvorwärmer, wie die auf den Bildern zu sehende 82 019.
Rund vier Jahre später, im August 1955, kam eine kleine Nachbauserie auf die Gleise: Esslingen lieferte die Loks 82 038 – 041, die sich auch optisch von den früheren 82ern in Details unterschieden und als die schönsten 82 in die Geschichte eingegangen sind:
Die Dachlüfter waren jetzt ins Führerhausdach integriert, die Führerhaustüren hatten nun einen dem Führerhaus angepassten Knick, und beim rechten Wasserkasten hatte man das "Loch" oberhalb der Steuerwelle elegant mittels Blech verkleidet. Die beiden letztgebauten 82 040, siehe hierzu die Fotos von Michael Staiger im nachfolgenden Beitrag, und 041 waren zudem ab Werk mit einer Riggenbach- Gegendruckbremse versehen worden, um auf Steilstrecken eingesetzt werden zu können.
Die Lokomotiven der Baureihe 82 bewältigten eine Wagenzugmasse von 800 t in der Ebene mit 70 km/h. Auf Steigungen von zehn Promille konnten noch 400 t mit 40 km/h befördert werden.
Ihre Einsatzschwerpunkte waren auf den Rangierbahnhöfen in Bremen und Hamm sowie den Hafenbahnen von Emden und Hamburg. Im Streckendienst konnten die 82er auf den Steilrampen des Westerwalds (u. a. Kasbachtal-Bahn) und im Schwarzwald auf der Murgtalbahn (hier die beiden Lokomotiven mit Gegendruckbremse) beobachtet werden.
Die Ausmusterung begann bereits 1966 und endete 1972. Die Baureihe war damit früher aus dem Dienst geschieden als die T 16.1, welche sie ja ersetzen sollte.
Dass die 82er insgesamt recht kurzlebig war und nur wenige Loks 20 Dienstjahre erreichten, ist dem Strukturwandel zu verdanken.
Ironie des Schicksals: Sowohl in Emden und Hamburg als auch in Koblenz überlebten die "Vorgänger" der Baureihe 94.5 die Neubaulok. Warum? Die 82er mussten mit abgelaufenen Fristen abgestellt werden, die Anlieferung neuer Dieselloks verzögerte sich, also musste wieder auf die alten Preußen zurückgegriffen werden.
Was bleibt? Zum einen die Erinnerung an eine heute fast vergessene, moderne Dampflok: Rangieren konnte sie, durch enge Gleisbögen fahren auch, keine Strecke war ihr zu steil, Personenzüge nahm sie auch an den Haken, aber ihre 70 km/h konnte sie nur in Ausnahmefällen ausfahren.
Auch das 82er-Personal sollte verwöhnt werden, unter anderem mit einem Wärmebehälter für Speisen, Sitzen mit abnehmbarer Rückenlehne, Fußbodenheizung und federnden Fußrosten.
Die Fotos der von Sascha Thomas patinierten BR 82 entstanden auf der Modulanlage der IG Spur 1 Mittelrhein anlässlich der Spur 1 Tage im DB Museum Koblenz 2023, die restlichen auf der Anlage des MEHEV in Hamburg.
Quelle: LOK MAGAZIN 05/10 von Martin Weltner



