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volldampf

unregistriert

1

Sonntag, 20. Dezember 2009, 18:48

Kesselwasser - destilliertes vs. gereinigtes Wasser

Ich hab da mal eine Frage!
Was für eine Sorte Wasser verwendet Ihr in euren Dampfmaschinen? In letzter Zeit bekomme ich immer eher gereinigtes Wasser an Stelle von destilliertes Wasser angeboten. Ich war bisher der Überzeugung das man nur destilliertes Wasser zum auffüllen von Batterien, im Dampfbügeleisen und in der Dampfmaschine verwenden sollte. Nun jetzt soll es laut diversen Aussagen des Einzelhandels auch mit dem mittels Ionentauscher, von Ionen befreitem Wasser gehen. Was ist mit dem Kalk und den anderen für den Kessel schädlichen Stoffen?
Wer kennt sich da aus (Chemiker)?

Grüße aus Köln

Wolfgang

2

Sonntag, 20. Dezember 2009, 19:30

RE: Kesselwasser - destilliertes vs. gereinigtes Wasser

Gereinigtes Wasser soll Natriumreicher sein. Also einen höheren Salzgehalt haben. Wie sich Salz auf Metalle auswirkt wissen wir aber alle oder nicht? Gruß.
Mut zur lebensbejahenden Farbe.

RAL 7011 oder 7021

Gruß vom Michael

schwellenkarle1

unregistriert

3

Montag, 21. Dezember 2009, 10:37

RE: Kesselwasser - destilliertes vs. gereinigtes Wasser

Hallo,
ich verwende destilliertes Wasser mit einem Schuß Rohwasser (max. 5%). Das hat sich langjährig bewährt. Gereinigtes Wasser ist nicht 100% entkalkt. Ist mit Vorsicht zu geniesen. Destilleirtes Wasser (Reinheitsgrad 98-99 %) ist wegen des hohen Anteiles von freiem Sauerstoff auch nicht empfehlenswert., habe aber keine negativen Erfahrungen wenn keine Eisenwerkstoffe, ausser Nirosta, im Einsatz sind. Das einzigste zu beachtende Problem ist bei den kleinen Kesseln die Rückstandsbildung im Kessel bei häufigen Fahrten. Hier hätte ich bei gereinigtem Wasser Bedenken. Bei den kleinen Ausführungen, Spur 1 und Gleiches, sind normalerweise keine zur Korrosion (Rost) neigenden Werkstoffe in den wasserführenden Teilen, Kessel und Antriebsteile, im Einsatz.

Die Rohwasserbeimengung hat sich bei der 5" im Dampfverhalten gezeigt. Beim destillierten Wasser neigt der Dampf zur Weichheit, was sich im Pfeifenton bemerkbar macht. Durch die Beimengung zeigt sich ein härteres Schwingungsverhalten des Dampfes und damit zu einem satteren Pfeifenton.
Bei der großen (5") sind Graugußzylinder im Einsatz, wo sich bei längerem Stillstand beim Anfahren erst einmal Rostwasser beim anwärmen der Zylinder zeigt. Die Zylinder sind nun schon 30 Jahre im Einsatz und zeigen keine Probleme. Lediglich die Kolbendichtungsringe müßen von Zeit zu Zeit gewechselt werden, da diese Werkstofftechnisch als Verschleißteile ausgelegt sind.

Ein Für und Wieder ist auch abhängig von den örtlichen Wasserqualitäten. Es gibt Orte mit extrem weichem Wasser, wo das Filtern des Wassers mit einem Küchenwasserfilter (z. B. Britta) durchaus ausreichend sein kann.

Grüße vom winterlichen Bodensee

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »schwellenkarle1« (21. Dezember 2009, 10:39)


4

Montag, 21. Dezember 2009, 14:19

Hallo,

Gereinigtes Wasser nach Ph. Eur. (Europäischem Arzneibuch) kann durch Destillation oder Ionenaustauscher gewonnen werden. Gravierende Unterschiede kann es nur in Bezug auf die Keimfähigkeit geben, was bei Verwendung als Kesselspeisewasser keine Bedeutung haben dürfte. (sagt die Apothekerin).
In der industriellen Anwendung wird Kesselspeisewasser noch durch spezielle Maßnamen (z.B. Strippung) weitgehend von Sauerstoff befreit. Hier wird das Kesselspeisewasser zwangläufig aus "Destilliertem Wasser" gewonnen. Das zur Deckung von Verlusten notwendige Frischwasser kommt auch hier aus Jonentauschern. (sagt der Ingenieur).

Gruß
Hermann Schnetzler

schwellenkarle1

unregistriert

5

Montag, 21. Dezember 2009, 18:09

Hallo,
ich denke wir sind hier nicht im medizinischen Bereich sondern im mechanischen Bereich zum Wasserkochen für mechanischen Antrieb. Ich habe mich deshalb beim Beginn der Livesteamzeit auch mit Wasseraufbereitungsfirmen über die technischen Notwendigkeiten in diesem Bereich unterhalten, ebenso mit erfahrenen Eisenbahnern des Dampflokbetriebes. Die Aussagen zu den unterschiedlichen Wasserqualitäten, destilliert, gereinigt etc., waren zum Teil differenziert. Wobei ich davon ausgehe das die Wasserfachleute wußten wovon Sie redeten.
Habe auch einige Zeit selber einen Ionentauscher betreiben.
Eine Osmoseanlage ist zu teuer.
Die Instandhaltung mit den dazu für die Wartung benötigten Wassermengen, Säuren und Laugen für die erzeugte Wassermenge stand in keinem wirtschaftlichem Verhältniss.
So das ich dazu überging das notwendige Wasser im Baumarkt zu kaufen. Bei uns ist das Wasser offen erhältlich, so das man nicht unzählige 5 Liter Kanister kaufen muß. Werde allerdings ab und zu fragend angeschaut wenn ich wieder mal 150 Liter auf einmal kaufe.
So haben sich halt die Erfahrungen über die Jahrzente entwickelt und ich habe keine Probleme mit meinen Dampflokomotiven.
Grüße vom Bodensee

6

Donnerstag, 24. Dezember 2009, 22:55

Nach einem unserer Haustechniker für Heizungsanlagen ist es angeblich das Problem, daß die heutigen Destilate (Wasser, nicht Schnaps =)) aus den umgebenden Metallen Ionen richtiggehend herausreißen, deshalb mische ich auch immer 5% Leitungswasser dazu, was angeblich den Ionenhunger des Wassers stark mindert.

ob das so stimmt, will ich als Laie nicht unbedingt bewerten, aber bei meinen Loks wird das zumischen von Leitungswasser empfohlen.

lg. günter mayer


PS: vielleicht sollte ich doch Schnaps nehmen, da wird erstens die lok nicht so heiß, verbrauche weniger brennstoff, und geruchsmäßig sicher ein komplett neues Fahrgefühl.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »gmayer« (24. Dezember 2009, 22:59)


7

Dienstag, 24. Mai 2011, 18:33

RE: Kesselwasser - destilliertes vs. gereinigtes Wasser

hallo spur1 live stemer fahre über 30 jahre live steam loks mit gefiltertem regenwasser,gab nie probleme auch nicht bei meinen dampfmaschienen.gruß e.strehlow

8

Dienstag, 24. Mai 2011, 20:56

RE: Kesselwasser - destilliertes vs. gereinigtes Wasser

Hallo zusammen,

über Ionentauscher gereinigtes Wasser ist nicht immer salzfrei. Erkennen kann man das über die Messung der elektrischen Leitfähigkeit. Reines dest. Wasser leitet den Strom sehr schlecht, erst die Salze machen die Leitfähigkeit.

Mit einfachen Mitteln erhält man weitgehend salzfreies Wasser wie oben erwähnt aus Regenwasser, über eine im Aquarienhandel erhältliche Umkehrosmose oder vom Kondensationswäschetrockner (bitte noch einmal durch einen Kaffeefilter gießen, um Fasern zu entfernen!
Das letztgenannte benutzen wir seit Jahren im Dampfbügeleisen.

Gruß
Matthias
http://mat-spur1.repage.de/
.


Wonach du sehnlich ausgeschaut - es wurde dir beschieden
Du triumphierst und jubelst laut: „Jetzt hab’ ich endlich Frieden!“
Ach, Freundchen, rede nicht so wild, bezähme deine Zunge!
Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge

Wilhelm Busch

Michael Füg

unregistriert

9

Mittwoch, 25. Mai 2011, 11:23

Hallo,

dieses Thema ist unter allen 'live steamern' ein Dauerbrenner, leider werden die Begriffe durcheinandergeworfen. "Gereinigtes Wasser" ist ein Begriff aus der DIN-Normwelt für Wasser zum Auffüllen von Batterien. Weiterhin gibt es "Reinstwasser" für die Pharmazie und die Chipherstellung. Spezifiziert wird hier die Qualität des Wassers, was also noch drin sein darf; im ersten Fall mehr als im zweiten. Die Methode, wie diese Qualität erreicht wird, kann sein Destillation, Ionenaustausch, Osmose, Filtration, etc. oder Kombinationen daraus. Die Angabe einer Methode allein sagt also nichts über die Qualität aus. Die klassische Destillation (Verdampfen und Kondensieren) spielt heute wegen des hohen Energiebedarfs bei der Herstellung im großindustriellen Maßstab keine Rolle mehr. Ich arbeite bei einem großen Chemieunternehmen und hier kommt alles Wasser für Labor und Kesselanlagen aus Ionentauschern (vollentsalztes Wasser, demin. Wasser). Nur ein Spezifikationsblatt sagt letztendlich aus, was im Wasser noch drin ist.
Die Begriffsverwirrung erkennt man daran, dass ich im Baumarkt schon Wasser gekauft habe, wo auf dem Kanister stand "Destilliertes Wasser" und im Aufkleber "hergestellt durch Ionenaustausch".
Der angebliche "Ionenhunger" von de-ionisiertem Wasser ist auch so eine Sache. Wasser ist ein ein Lösungsmittel und natürlich löst sich darin um so mehr, je weniger drin ist, was also ebenfalls mehr eine Frage der Qualität als der Herstellmethode ist.

Was heisst das jetzt für die Praxis? Ich fahre seit 20 Jahren im Wechsel Wasser aus dem Super-/Baumarkt und VE-Wasser aus meiner Firma (was gerade bequemer zu erhalten ist) in Kupferkesseln ohne Probleme. Dto. dampft die Schweizer Gruppe Eiwi mit "Batteriewasser" aus einem Autobetrieb auch schon 20 Jahre lang. Die "Reinheit" der diversen käuflichen gereinigten, destillierten, de-ionisierten, etc. Wässer scheint ausreichend hoch zu sein, so dass das Problem mehr ein gefühltes als ein praktisches darzustellen scheint.

Gruß
Michael Füg