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Freitag, 17. August 2018, 22:10

Projekt Bad. VIb

Teil 1

Nach der Realisierung einiger kleinerer Modelle nach Vorbild der bad. Staatseisenbahn sollte nun einmal etwas Größeres in Angriff genommen werden, besser gesagt auf die Räder gestellt werden. In der Vorauswahl waren die Lokomotiven der Gattungen

- Xb
- IXa (bereits in H0 scratch built) und die
- VIb

Die Entscheidung ist zugunsten der VIb gefallen. Allen drei Vertretern werden derzeit geringe Chancen auf eine industrielle Realisierung eingeräumt.

Obwohl die VIb mit einer Stückzahl von 131 eine der am meisten gebauten bad. Lokomotiven war und bei der DB erst 1962 und bei der DR 1965 ausgemustert wurde, ist eine Modellnachbildung durch die Modellbahnhersteller in naher Zukunft unwahrscheinlich, haben doch gerade erst zwei Hersteller die VIc realisiert. Vorbilddaten zur VIb findet man hier

Realisiert werden sollte eine VIb der Reihe 2 (3) in Buntmetall-Komplettbauweise. Vorbildtreue sollte dabei Vorrang vor Anlagentauglichkeit haben, Dampf und eventuell auch Sound werden nicht realisiert werden. Dabei habe ich mir einen Zeithorizont von 4 Jahren gesetzt, die durchschnittliche monatl. finanzielle Belastung sollte nach Möglichkeit 100,- € nicht überschreiten. Das entspricht in etwa dem, was derzeit in der Spurweite 1 durchschnittlich aufzuwenden ist. Der Einsatz von verfügbaren Teilen ist leider verschwindend klein. Überwiegend kommen selbst bearbeitete Halbzeuge, Gußteile und Ätzteile zum Einsatz (>90%).

Vor knapp einem Jahr wurde mit der Realisierung des Projekts begonnen. Schwerpunkt während dieser Zeit war die Vorbildrecherche und die 3D-Modellierung der Maschine, die mittlerweile weitgehend abgeschlossen ist. Auf der Basis von Fertigungszeichnungen, bebilderten Stücklisten und Vorbildaufnahmen wurden bislang weit über 600 Einzelteile modelliert und zu Baugruppen zusammengefügt. Gewünschter Detailierungsgrad einerseits und bezahlbare Realisierung als Wachsplot erforderten teilweise einen iterativen Prozess bis zur Fertigstellung des gewünschten Gußteils. So war es auch ein kontinuierliches Ausloten, was kann ein Dienstleister realisieren und was nicht. Die Weigerung, gruppierte Modelle als ein Gußteil zu realisieren, reduzierte die ohnehin geringe Zahl möglicher Dienstleister. Entscheidend war auch die Frage, wie viele Abgüsse eines Teils werden für das Modell benötigt, können die Teile gruppiert werden oder ist eine Zwischenabformung in Silikon vorteilhaft.

Offen sind derzeit noch Details im Bereich Antrieb, Kurvengängigkeit und Funktionsumfang (automatische Umsteuerung, Sound).


- Fortsetzung folgt -

Wolfgang

Bilder:


1) VIb Reihe 2 Nr. 278 (Quelle Wikipedia)
2) 3D-Modell hls
3) 3D-Modell vrs
»Wolfgang Hug« hat folgende Bilder angehängt:
  • VIb_2_278_rsh_1024.jpg
  • VIb_R2_hls_1024.jpg
  • VIb_R2_vrs_1024.jpg

2

Freitag, 17. August 2018, 22:34

Hallo Wolfgang,

also für mich (als Württemberger ;-) ist die die beste Vorbildwahl unter den badischen Loks, denn immerhin war eine (oder zwei?) dieser Lok zeitweilig im Bw Tübingen beheimatet. Auch ein guter Freund musste sich mit ihr rumquälen ("blos an Nassdampfer").
Auf Rauch kann ich gut verzichten, nicht aber auf Sound, ohne wäre die Lok m. E. auch fast unverkäuflich. Heutzutage gibt es sehr gute Lautsprecher in passender Größe, so daß die kein Grund für einen Verzicht sein können.

Wünsche Dir viel Erfolg
Michael

3

Freitag, 17. August 2018, 23:34

Hallo Michael,

noch ist fast alles möglich, außer Dampf. Die Rauchkammerinneneinrichtung steht bereits. Und verkaufen möchte ich die Lok eigentlich auch nicht, wenn sie denn mal fertig ist. Da gäbe es sicher sinnvollere Möglichkeiten, Zeit zu investieren und Geld anzulegen.

Wolfgang
»Wolfgang Hug« hat folgendes Bild angehängt:
  • Rauchkammer_Innenteil_1024.jpg

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4

Samstag, 18. August 2018, 00:29

Bin sprachlos - Kompliment!

Hallo Wolfgang,

da ich ja bereits Wasserkran-Bausätze von Dir habe, kann ich die Qualität Deiner Arbeit auch entsprechend würdigen. Die steht einem der Premium-Hersteller in nichts nach!

Viel Erfolg wünscht
Beste Grüße Holger Danz
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5

Samstag, 18. August 2018, 10:17

Bad. VIb

Dieser Beitrag zeigt einmal mehr mit welchen Schwierigkeiten die Anbieter neuer Modelle bis zur Präsentation eines Urmodells zu kämpfen haben .
Unerwähnt hier die ganzen Vorlaufkosten und andere Risiken .

Sehr schöne Vorbildauswahl und in 3D ansprechend vorgestellt . Den weiteren Werdegang verfolgen wir mit Interesse .

Der Verzicht auf Betriebsfähigkeit und Standfestigkeit im Anlagenbetrieb wird dem Aufwand hier leider nicht gerecht . Schade .

Holger , einen Wasserkran und ein Anlagentaugliches Lokmodell kann man nicht vergleichen .
Bei der Lok wird es immer wieder zu mehr oder weniger erfreulichen Überraschungen kommen .

Gutes Gelingen weiterhin

Günter
Günter, Großhettstedt, Ilmtal

6

Samstag, 18. August 2018, 11:26

Hallo VIb – Interessierte,

sicher werde ich nicht auf machbare Funktionalität und Fahrtauglichkeit der Maschine verzichten, wenn es sich ergibt. Aber Ich habe keine Anlage und das Modell wird, wenn es denn einmal fertig sein sollte, überwiegend in einer Vitrine, allenfalls auf einem Diorama stehen und kurze Strecken hin und her fahren. Deshalb lege ich nun mal mehr Wert auf Detaillierung, die erkenne ich auch bei stehenden Modellen. Es soll auch kein neues Geschäftsmodell werden. Ich muss weder nach Absatzmärkten noch nach Interessen anderer schauen. Ich baue, so wie ich es mir vorstelle und habe es in der Hand, das Ergebnis so zu gestalten, wie ich es wünsche. Deshalb werde ich mit dem Ergebnis mehr zufrieden sein als wenn ich ein Modell kaufe. Da gibt es immer Kritikpunkte.

Die Konstruktion basiert auf der vergleichbaren günstigen Anfertigung einzelner Prototypteile, die Hardwarekosten sind also in etwa proportional zur Stückzahl, ebenso der Zeitaufwand. Zwischenabformen von Urmodellen oder Arbeitshilfen rechnen sich erst ab einer höheren Stückzahl. Bevor ich also eine zweite oder dritte Maschine baue, versuche ich lieber ein weiteres Modell aus meiner Wunschliste zu realisieren, z.B. die Zahnradlok IXa.


Wolfgang

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7

Samstag, 18. August 2018, 12:32

Glücklich der, der sowohl das handwerkliche Geschick als auch die werkzeugtechnischen Möglichkeite hat um so ein Projekt ernsthaft anzugehen!
Wünsche ein glückliches Gelingen!
beste Grüße
Anton

8

Samstag, 18. August 2018, 19:23

Hallo Wolfgang,

was Du hier baust ist ein wahrer Leckerbissen und der blanke Wahnsinn! Du
spielst in der obersten Liga. Schade das Du dir nicht die Zeit zum dokumentieren
genommen hast, aber verständlich. Es gibt ja nur noch Wenige die sich da ran
trauen. Und fast nur die können den Aufwand einigermaßen einschätzen. Trotzdem
bin ich auf weitere Berichte gespannt und wünsche Dir dass möglichst alles so
wird wie geplant! Herrlich!!!

Sieghard

9

Samstag, 18. August 2018, 20:34

Sehr schönes Vorbild

hallo, Schöne Vorbildwahl Wolfgang.

Ja, aus der Reihe der späteren "75er" fehlen noch genau diese beiden

bad. VIb, 75.1-3, und die

sächs. XIV HT, 75.5

beide, als größere Kleinserie, oder kleinere Großserie wären doch was ?
(wenigstens die wü. T 5, 75.0 gab es schon mal in kleiner Serie)

mfG, der Einsbahner

10

Donnerstag, 23. August 2018, 21:48

Teil 2 (Kessel)

Um außer einigen Einzelteilen zum Test der Qualität verschiedener Anbieter auch einmal ein Ergebnis vorweisen zu können, wurde mit der Fertigung des Kessels begonnen. Diese Baugruppe ist weitgehend unabhängig von den derzeit noch nicht endgültig festgelegten Randbedingungen im Bereich Fahrwerk und Antrieb. Öffnungen für den Antrieb können später problemlos eingearbeitet werden.

Der Kessel der Vorbildmaschine ist recht einfach aufgebaut, so dass ein Standardrohr aus Messing als Basis verwendet werden konnte. Im Gegensatz zu den Maschinen der Reihen 10 und 11 sowie den späteren Reichs- und Bundesbahnversionen war die Rauchkammer wie der Rest des Kessels mit Blech im gleichen Durchmesser verkleidet. Leider (mittlerweile kann ich sagen „zum Glück“) ließ die Spitzenweite meiner Drehbank die Bearbeitung in einem Stück nicht zu, so dass der Kessel in zwei Schüsse geteilt werden musste. Dadurch wurde die Montage der in Kesselmitte liegenden Teile deutlich erleichtert. Die Kesselringe wurden gedreht und in entsprechende Nuten im auf Maß gedrehten Kesselrohr eingesetzt und mit diesem verlötet. Halter für Griff- und Stellstangen sitzen überwiegend mittig auf den Kesselringen, was präzise Bohrungen erfordert. Für die übrigen Bohrungen wurde eine Abwicklung des Kesselmantels gezeichnet und auf dem Drehteil befestigt. Von dieser konnten dann die Bohrzentren problemlos auf den Kessel übertragen werden. Alle Dome sowie die Verkleidung des Sicherheitsventils sind in Bronze gegossen und mit dem Kessel verschraubt. Rauchkammer und Stehkesselrückwand sind so eingepasst, dass sie problemlos demontiert werden können. Schlot und die übrigen Teile wie Blasrohrverstellung, Waschluken, Stehbolzen, Nathanöler, Pressluftsandventil, Kesselstock und Speiseventil sind mit dem Kessel verlötet. Gelötet wird mit Lötkolben (100 W), Flamme und Widerstandslötgerät. Jede Methode hat Vor- und Nachteile. Löten mit Wasserstoff wird eine der nächsten Herausforderungen werden.

Im Eifer des "Bauens" bleibt die fotographische Dokumentation gerne 'mal auf der Strecke, was leider oft zu spät bemerkt wird. Ich hoffe, dabei das richtige Maß zu finden.


- Fortsetzung folgt -

Wolfgang

Bilder:

1) CAD-Modell des Kessels (lsh)
2) CAD-Modell des Kessels (rsv)
3) Kesselfertigung 1 (Stehkesselausschnitt)
4) Kesselfertigung 2
5) Kessel (Rohzustand)
»Wolfgang Hug« hat folgende Bilder angehängt:
  • Kessel_R2_lsh_1024.jpg
  • Kessel_R2_rsv_1024.jpg
  • Kesel_H_1024.JPG
  • Kesselfertigung_1024.JPG
  • Kessel_Basis_1024.JPG

11

Freitag, 24. August 2018, 06:12

Guten Morgen,

Hut ab vor dieser tollen Arbeit. Eine Superung von Wagen , welche ich auch manchmal durchführe, ist schon teilweise schwierig. Eine Lokomotive selbst zu Bauen ist für mich fast schon das höchste Niveau. Vor allem, wenn sie so detailliert ausgeführt werden soll. Berichte solcher Art finde ich sehr interessant und machen Freude sie zu lesen. Vielen Dank, dass man dies begleiten darf.
Viele Grüsse
Bibe
(Spur 1 Nebenbahner)

12

Freitag, 24. August 2018, 08:28

Hallo Wolfgang,


ein Projekt zum Träumen.

Und in der Umsetzung exzellent!

So ein Projekt muss keinen
„Schweineradius“meistern können.

Es bliebe zu viel Vorbildtreue auf der
Strecke.

Danke fürs Teilhaben lassen

:rolleyes: :thumbsup:


Grüße

Herbert

Beiträge: 1 313

Wohnort: Jena

Beruf: Freiberuflicher Projektmanager

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13

Samstag, 25. August 2018, 19:26

Meisterhaft!

Hallo Wolfgang,

sehr meisterlicher Modellbau, das muss man erst mal hinbekommen...
Beste Grüße Holger Danz
IG Spur 1 Mitteldeutschland

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Montag, 27. August 2018, 21:07

Teil 3 (Kessel)

Die komplette Rauchkammerinneneinrichtung mit Dampfleitungen, Blasrohr und Ringbläser wurde nachgebildet und wird von vorne in den Kessel eingesetzt. Die Funktionen von Handrad und Verschlussknebel müssen fertigungsbeding getauscht werden. Die Rauchkammertür des Modells kann später mit dem Handrad verriegelt werden und mit dem Verschlussknebel gegen die Rauchkammerfront gepresst werden (so der Plan). Noch bestehen Handrad und Verschlussknebel aus einem gemeinsamen Gußteil.

Der Stehkessel mit den Zurüstteilen kann von hinten in den Langkessel eingesetzt werden. Die beiden Feuertüren sind beweglich und können (von der Kinematik her) über den Handhebel gleichzeitig geöffnet und geschlossen werden. Alle Armaturen des Vorbilds wurden so authentisch wie möglich umgesetzt. In der Regel konnte bei den Gussteilen eine minimale Wandstärke von 0,6 mm nicht unterschritten werden. Der Wasserstandanzeiger ist deshalb noch unvollständig. Hier fehlen noch Ätzteile für die Verbindungshebel der beiden Absperrventile, die gußtechnisch nicht realisiert werden konnten sowie die lokführerseitige Betätigung.

Ursprünglich war geplant, ein Serienteil für die einstufige Luftpumpe Bauart Knorr einzusetzen. Die Abweichung einzelner Details wie z.B. die Steuerventile veranlassten mich dazu, auch dieses Teil neu anzufertigen. Um einen Schwund beim Erstarren der recht massiven Gussteile für Dampf- und Luftzylinder auszuschließen, wird die Pumpe aus mehreren dünnwandigen Teilen angefertigt. Die Teile sind derzeit in der Fertigung, ebenso die Traverse für die Rauchkammer zur Arretierung der Rauchkammertür. Somit konnte für den gesamten Kessel bislang auf kein einziges Bauteil eines Zubehöranbieters zurückgegriffen werden. Wer nicht preußische oder Einheitslokomotiven baut ist aufgeschmissen und auf Eigeninitiative angewiesen. :(

Stellstangen und Leitungen, die durch die Führerhausvorderwand führen, können derzeit nur provisorisch montiert werden. Heizerseitig sind dies das Anstellrohr des Bläserventils am hinteren Dampfdom und die innenliegende Stellstange für die Zylinderentwässerung. Der Kniehebel hierfür wird später an der kesselseitigen Wand des linken Wasserkastens befestigt. Auf der Lokführerseite befindet sich die Spindel zum Verstellen der beiden Blasrohrklappen. Über eine Gewindehülse wird die Drehbewegung auf die Kniehebelkinematik und über zwei Wellen in der Rauchkammer auf die beiden Klappen am Blasrohr übertragen (beim Modell ohne Funktion). Alle Stellstangen sind aus Stahldraht gefertigt, für das Bläseranstellrohr wurde ein Kapillarrohr aus Edelstahl verwendet.

Bis die nächsten Teile angeliefert werden, ist erst einmal Baustopp angesagt.


- Fortsetzung folgt -

Wolfgang

Bilder:

1) Rauchkammer und Stehkessel
2) Stehkessel
3) Kessel (links)
4) Kessel (rechts)
»Wolfgang Hug« hat folgende Bilder angehängt:
  • Rauchkammer_1024.JPG
  • Stehkessel_1024.JPG
  • Kessel_L_1024.JPG
  • Kessel_R_1024.JPG

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