Sie sind nicht angemeldet.

  • »Ameisenbär« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 87

Wohnort: Lüneburger Heide

Beruf: Journalist

  • Nachricht senden

1

Samstag, 3. September 2016, 18:54

Umbau Saalbach Drehscheibe

Hallo an alle!
Durch den Abbau einer Großanlage bin ich zufällig in den Besitz einer großen Saalbach-Drehscheibe gelangt (Bühne mit 82,5 Zentimetern), die nicht mehr so recht funktionierte. Der Drehscheibe sieht man auf den ersten Blick nicht an, wieviel Technik drin steckt - wohl aber die immer noch recht feine Detaillierung - abgesehen von von dem etwas klobigen, meiner Meinung nach missratenen Führerhaus. Dennoch: Insgesamt ein sehr feines, massives Stück Technik, weshalb ich den Entschluss fasste, sie wieder ans Laufen zu bringen.

Siehe Bild 1


Da sich hier im Forum vielleicht noch mehr Besitzer einer älteren Saalbach-Drehscheibe befinden- die möglicherweise mit ähnliches vorhaben – und noch nicht wissen, auf was sie sich da einlassen, dachte ich, ich berichte hier mal über den Umbau.

Denn nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, das gute Stück wieder ans Laufen zu bringen, zeigte sich schnell, dass sich das Vorhaben als „nicht ganz so einfach“ entpuppen sollte, denn nach meinen wiederholten Anfragen bei Saalbach konnte die Firma weder Ersatzteile, Schaltpläne, noch irgendetwas anderes beisteuern (und hat sich mittlerweile wohl ganz zurückgezogen). Also: Do it "all" yourself.

Um zu verdeutlichen, was das Gesamtprojekt zur Folge hatte, schaut bitte die zwei Bilder vor und nach dem Umbau der Bühne.

Siehe Bilder 2

und 3


Ich gebe zu, vorher sah sie aufgeräumter aus, und nun zum Projekt...

1. Zustand vor dem Umbau

Steuerung der Drehscheibe /Elektronik
Die Bühne der Drehscheibe wurde durch eine Infrarotfernbedienung gesteuert, wobei man dafür die "Fern"bedienung in einen Abstand von zirka 5 cm an einen Empfänger richten musste (auch bei vollen Batterien), der sich im Führerhaus der Drehscheibenbühne befand. Die Steuerungselektronik befand sich in einer großen Platine am Boden der Bühne.

Antrieb der Bühne
Der Antrieb der Bühne erfolgte über einen recht kleinen Motor mit angesetztem Getriebe in der Bühne, der über ein Zahnrad eine Welle (Gewindestange) in Bewegung setzte, die zwei zweiachsige Gestelle jeweils an den Enden der Drehscheiben antrieb.

Verriegelungsmechanik
Eine weitere Gewindestange und ein weiterer Motor mit Getriebe sorgen für die Verriegelung der Bühne in der gewünschten Endposition mittels zweier Messingspitzen (an jedem Ende eine). Die Anfangs- und Endposition der Verriegelung wurde mittels Tastern in der Bühne (die mit an der Gewindestange befestigten Stellstücken ausgelöst wurden) an die Steuerelektronik zurückgemeldet. Über diese Welle werden auch die Signale für Lokführer auf der Bühne mechanisch bewegt (90-Grad-Drehung). Die Signale sind beleuchtet.

Siehe Bild 4, es zeigt die Verriegelung bei abgenommenem Deckblech Draufsicht)


Stromaufnahme
Erfolgte über Stiftkontakte im Kaiserstuhl. Eine Platine im Boden der Bühne nimmt den Strom mittels Schleifringen ab.

Siehe Bild 5 (Ursprungszustand mit alten Kontakten), und Schleifringe in Bildern 2 und 3


Freigabe der Auffahrgleise
Zudem befinden sich an den Enden der Bühne eingelassene Magnetschalter, die mittels Festmagneten an den Gleisabgängen der Elektronik signalisieren, ob die Verriegelung ausgefahren werden kann.

2. Probleme

Die Fernbedienung funktionierte schlecht bis garnicht. Die zweiachsigen Antriebsgestelle sind pendelnd in der Bühne gelagert, deren Hafträder abgefahren waren und durchdrehten. Die Bühne setzte teilweise in den zwei Gleiskränzen der Grube auf. Die Antriebsmechanik funktionierte also insgesamt schlecht bis überhaupt nicht. Zudem erschien mir das kleine Motörchen, das für den Antrieb der Bühne (und der darauf befindlichen Schwergewichte) sorgen sollte, reichlich unterdimensioniert.

3. Der Lösungsansatz

- Die Steuerungselektronik musste komplett umgebaut werden, da die neuen Antriebsmotoren der Bühne eine Verkürzung der alten Eletronikplatine unumgänglich machten. Die Steuerung sollte durch aktuelle Digitaldecoder ersetzt werden, und die wiederum stationär von einer Zentrale angesteuert werden können (Märklin CS2 und mobile Station).
- Der Antrieb der Drehscheibe sollte so umgebaut werden, dass wieder alles bestens funktioniert - auch mit großen Loks
- Die Verriegelung sollte beibehalten werden (den Umbauaufwand für eine filigranere Lösung mit maßstäblichen Verriegelungen wollte ich mir ersparen), ebenso die mechanische Steuerung der Signale für die Lokführer
- Die Stromaufnahme sollte beibehalten werden (funktionierte einwandfrei)
- Die magnetische "Freimeldung" der Gleise sollte beibehalten werden (da sie in die Gleisanschlüsse eingelassen sind, die auch die Messingspitzen der Verriegelung aufnehmen)

4. Umbau

Steuerung der Drehscheibe /Elektronik
Für die Steuerung der Drehscheibe wählte ich einen Lokpilot XL 4.0-Decoder von Esu. Der Decoder wurde in der Bühne der Drehscheibe untergebracht, wobei die Antriebsmotoren der Bühne jetzt wie Fahrmotoren in einer Lokomotive angesteuert werden. Glücklicherweise kann der Lokpilot zwei Motoren gleichzeitig ansteuern und tut das auch absolut synchron. Die übrigen Funktionen des Lokpilot wurden zur Steuerung der sonstigen Drehscheibenfunktionen eingesetzt: Diese sind:
- Beleuchtung im Drehscheibenhaus ein- und ausschalten
- Beleuchtung der Drehscheibensignale ein- und ausschalten
- Motor für Drehscheibenverriegelung ein- und ausschalten
- Servo ansteuern, das den Motor der Drehscheibenverriegelung umpolt
- Die verbliebenen Taster der alten Platine sorgen jetzt dafür, dass die Endpunkte der Verriegelung per LED im Führerhaus angezeigt werden.


Antrieb der Drehscheibenbühne
War das größte Problem. Zunächst ersetzte ich den Antriebsmotor durch einen stärkeren - das funktionierte nicht. Dann trennte ich die Antriebswelle auf, um die Drehgestelle jeweils einzeln mit einem Motor über Kardangelenke anzutreiben. Auch das reichte nicht aus - die Motoren waren nicht kräftig genug (siehe Bild 6).

Die Lösung waren letztlich zwei "fette" Modelcraft-Getriebemotoren, die mit ihren Dimensionen gerade so noch in die Bühne passen, aber dennoch im eingebauten Zustand von Außen unsichtbar sind und die zweite Welle für die Verriegelung in der Bühne nicht berühren (siehe Bilder 7 und 8 ).



Nachdem das Antriebsproblem gelöst war, blieben noch die abgefahrenen Haftreifen der Antriebsgestelle, die letztlich für den Vortrieb sorgen. Hier zeigte sich, dass Gummireifen von Modellautos sowie auch kleine Ringstücke aus einem Garten-Wasserschlauch zwar passend gefunden werden konnten, diese jedoch bei Belastung der Bühne höchstens vier, fünf Runden standhielten. Die Lösung brachten letztlich nur Hart-PVC Reifen, die maßgefertigt werden mussten. Zudem wurden Öffnungen an den Stirnseiten gebohrt, um die Räder mit Haftreifen einfacher entnehmen zu können. Und dann setzte ich noch eine Bohrung samt Gewindestange (siehe Bild 9 unten) als Verbindung von der Bühne durch das Antriebsgestell, um dessen Kippspiel zu begrenzen (und die möglichen Wank-Bewegungen der Bühne abzustellen)



Verriegelungsmechanik
Funktioniert wie vorher auch, allerdings war auch das mit einigem Aufwand verbunden. Eigentlich sollten die verbliebenen Taster der alten Platine genutzt werden, um die Umpolung des Stroms für dem Motor der Verriegelungs-Gewindestange automatisch auszulösen. Das funktionierte leider nicht, also entschied ich mich nach einigen Umwegen einfach dazu, in die Bühne einen Servoantrieb einzusetzen, der schlichtweg einen Umpolschalter bewegt (es gibt sicherlich 'elegantere' Lösungen, allerdings hatte ich nach x vergeblichen Versuchen, den Umpolschalter durch die Antriebswelle automatisch auszulösen irgendwann einfach "die Faxen dicke"). Siehe Bild 10.
Zusätzlich neu: Zwei LED im Drehscheibenführerhaus (grün/rot) werden über die verbliebenen zwei Taster der alten Elektronikplatine (und Steuerstück auf der Gewindestande der Verriegelung) nun zum Leuchten angeregt, wenn die Anfangs- bzw. Endposition der Verriegelung erreicht ist. Die mechanische Steuerung der Bühnensignale blieb erhalten.


Stromaufnahme
Wurde beibehalten, aber einige Stiftkontakte durch solche von Dingler ersetzt.

Freigabe der Auffahrgleise
Funktioniert wie vorher auch per Magnetkontakten. Diese lösen aber nun per Lokpilot eine LED aus, die im Drehscheibenführerhaus aufleuchtet, wenn die Bühne an einem Gleisabgang in korrekter Position ist.

5. Fazit
So, nun löpt se wieder prima!
Die ersten Gehversuche und Tests sind überstanden. Letztlich bin ich doch etwas stolz, dass alles so funktioniert, wie ich es mit vorgestellte habe - bis auf angesprochene „Krücke“ der Umpolung des Verriegelungsmotors.
Wirklich Spaß macht der Antrieb und Betrieb der Drehscheibenbühne, da er von einer Zentrale wie eine Lok angesteuert wird und dem entsprechend wie beim Vorbild auch die Bühne langsam und schnell bewegt werden kann. Die feinfühlige Regelung per Lokpilot erlaubt es nun auch, dass die Bühne an die Endposition richtig „herankriecht“ – das macht schon Spaß. Die optische Signalisierung der Betriebszustände in dem Drehscheibenführerhaus (in Bild 1 sind die LED ganz schwach zu erkennen) gefällt mir nicht so supertoll – aber es funktioniert gut.
Sicherlich kann das Modell in optischer Hinsicht in Details wie dem Drehscheibenhäuschen, der „klobigen“ Verriegelung samt Gleisanschlüssen nicht ganz mit heutigen Modellen mithalten, aber mir war vor allem wichtig, die Betriebssicherheit der Drehscheibe hundertprozentig wieder herzustellen.
Und ich denke, das ist gelungen :)

Falls jemand Detailfragenhaben sollte oder höher aufgelöste Bilder wünscht, meldet Euch einfach.
Liebe Grüße ins Forum!
Kai
Der Ameisenbär

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Ameisenbär« (3. September 2016, 19:07)


Beiträge: 122

Wohnort: Dieverbrug, Niederlande

Beruf: Pensionär

  • Nachricht senden

2

Samstag, 3. September 2016, 21:40

Danke fuer die Reportage

Hallo Kai,

Herzlich danke fuer die Reportage. Ich denke, dass ich ein bisschen etwas Ainliches machen woll mit meinem Drehscheibe von Besig. Der Drehscheibe functioniert am Moment, aber er schaltet den Strom von der Buhne ab, wenn er dreht. Und das ist nicht so gut mit den heutigen Modelle, mit Sound. Auch ist meine Verriegelung nicht immer zu, da die Magnete nicht stark genuegent sind um das Kontakt fest zu halten.

Nochmals dank,
Bert
Neu mit spur 1, aber seit sehr lange Zeit mit Module Anlange beschäftigt.

Beiträge: 2 171

Wohnort: Erfurt

Beruf: jetzt Rentner, programmieren nur noch im Hobby

  • Nachricht senden

3

Sonntag, 4. September 2016, 08:45

Hallo Kai,
ich finde es toll, wenn man eine alte Drehscheibe modernisiert. Bei mir ist es eine alte Besig/Dingler, die einen Schrittmotorantrieb bekommt.
Die Antriebskonstruktion ist schon merkwürdig, weil ja außen neben den Antriebsrollen auch noch Laufrollen sind oder laufen die nur ohne Andruck zum Schein mit?
MfG. Berthold

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »bbenning« (4. September 2016, 11:23)


  • »Ameisenbär« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 87

Wohnort: Lüneburger Heide

Beruf: Journalist

  • Nachricht senden

4

Sonntag, 4. September 2016, 12:37

Hallo bbenning,
Die Drehscheibe hat zusäztlich 16 Laufrollen in 8 Gestellen, die wohl eher der Vorbildorientierung dienen. Der Antrieb geschieht ausschließlich über die 2 in die Bühne eingelassenen Antriebsgestelle.
Mit freundlichen Grüßen
Kai
Der Ameisenbär

Ähnliche Themen